Jürgen Heizmann

Chatterton

oder Die Fälschung der Welt
Cover: Chatterton
Mattes Verlag, Heidelberg 2009
ISBN 9783868090116
Gebunden, 412 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Thomas Chatterton (1752-1770) war ein Fälscher, ein Schwindler und ein Dichter. Er schrieb als Schulknabe mittelalterliche Gedichte, die er als Entdeckungen ausgab. Noch keine 18 Jahre alt, vergiftete er sich in London mit Arsen. Dieses Buch ist mehr als eine Biografie. Es zeigt nicht nur Leben und Werk des Wunderknaben aus Bristol, sondern auch die ungeheure Wirkung, die von diesem Stoff ausgegangen ist. Chatterton wurde europaweit zum Modell des romantischen Dichters: jung, arm und stolz, ein halb wahnsinniges Genie, von der Gesellschaft verschmäht und in den Selbstmord getrieben. Was daran ist Wahrheit, was Legende? Warum entstanden die Legenden und zu welchem Zweck?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2009

Der Anglist und John-Donne-Übersetzer Werner von Koppenfels begrüßt Jürgen Heizmanns Buch über den im deutschsprachigen Raum wenig bekannten Dichter Thomas Chatterton, der im August 1770, keine 18 Jahre alt, in seiner Dachstube in London tot aufgefunden wurde. Ausführlich berichtet er über die wuchernde Legendenbildung um Chatterton, der mit Fälschungen von Gedichten eines Mönchs aus dem 15. Jahrhundert berühmt geworden war. Er attestiert Heizmann, der in Kanada Germanistik lehrt, die Biografie des Dichters radikal zu entmythologisieren und die durch die Legendenbildung ignorierte Vielfalt seiner Produktion sowie seine Erfolge als freier Schriftsteller herauszuarbeiten. Deutlich wird für ihn zudem, dass der angebliche Suzid auch ein missglückter Versuch des Dichters gewesen sein könnte, eine venerische Ansteckung zu heilen. Lobend äußert sich Koppenfels über die Exkurse, in denen der Autor historische Kontexte erschließt. Er hebt hervor, dass sich das ansprechend gestaltete und mit viel Bildmaterial ausgestattete Werk nicht nur an ein Fachpublikum wendet. Negativ fallen für Koppenfels dagegen ein paar "stilistische Entgleisungen", die Verballhornung von bekannten Personennamen und das Fehlen einiger wichtiger neuer Forschungsarbeiten ins Gewicht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.06.2009

Höchst angetan zeigt sich Michael Stallknecht von Jürgen Heizmanns Monografie des englischen Poeten und Fälschers Thomas Chatterton, der mit nur 15 Jahren seiner Heimatstadt Bristol erfolgreich das angeblich mittelalterliche Werk eines Mönches unterjubelte. Nachdem Heiko Postma sich letztes Jahr in einem Essay dem hierzulande noch am ehesten durch ein Stück von Hans Henny Jahnn bekannten und nicht in deutscher Übersetzung greifbaren Chatterton widmete, liegt jetzt eine gewichtige Arbeit vor, der Stallknecht alle Qualitäten eines Standardwerks zuschreibt. Chatterton galt in der Romantik als der Inbegriff des genialischen Dichters und erlag nur 17-jährig einer Arsenvergiftung, die allgemein als Selbstmord eines verkannten Genies gedeutet wurde, laut Heizmann aber wohl eher ein verunglückter Versuch war, eine Geschlechtskrankheit zu kurieren, erklärt der Rezensent. Heizmann geht bei seiner Demontage der um Chatterton rankenden Mythen mit aller gebotenen Skepsis vor, stellt der Rezensent zufrieden fest.
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