Judith Kuckart

Die Autorenwitwe

Erzählungen
Cover: Die Autorenwitwe
DuMont Verlag, Köln 2003
ISBN 9783832160036
Gebunden, 140 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Sechs Geschichten, sechs Schicksale, sechs Menschen. Sie beginnen, "ihr Leben zu betrachten, wie man einen langen Regentag betrachtet, die Ellenbogen auf dem Fensterbrett". Da ist die Frau mit dem großen Hund, die statt ihres Schriftstellergatten eine Stadtschreiberstelle in der ostdeutschen Provinz antritt und ihre eigene Leere findet. Da ist der Lehrer, der nach dem Tod seiner Frau eine Schülerin trifft, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Da ist die Frau, die für andere Leute Blumen gießt und auf erschreckende Geheimnisse stößt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2003

Judith Kuckarts Vorliebe für " karge Parataxen und die Hohlräume zwischen den Sätzen, die viel offen lassen", zeigt sich auch in diesem Erzählband, schreibt Rezensent Hans Christian Kosler. Hier gehe es um Menschen, nein um Frauen, nicht mehr jung und auch noch nicht alt, denen es an etwas mangelt, an der Liebe nämlich. Bei Kuckart scheitern sie nicht an ihren zu hochgesteckten Erwartungen, sondern an der mangelnden Fähigkeit, sich mit der "Entzauberung des Lebens" zu arrangieren, erläutert Kosler. Ihm haben die Erzählungen nicht gefallen. Die Figuren können sich nicht entwickeln, findet er, ihre Depressivität wirke "lediglich übergestülpt". Der "Leidensnarzissmus", der die Erzählungen durchzieht, ist ihm ebenso negativ aufgefallen wie die konventionelle, abgedroschen wirkende Metaphorik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.05.2003

Meike Fessmanns Urteil über diesen Band mit sechs Erzählungen, in denen es um das Älterwerden und die Liebe geht, wie sie zusammenfasst, ist insgesamt positiv, wenn auch nicht ganz ungetrübt. Sie macht in den Texten eine "erotische Energie" aus, die ihr zumeist gefällt, ihr manchmal aber auch etwas" angespannt" erscheint. Allerdings sieht sie bei der Autorin die Gefahr zur "Überinstrumentierung" und ihre Experimente mit der "Erzählperspektive" scheinen ihr mitunter "hart an der Grenze zum Misslingen". Dennoch zeigt sich Fessmann beeindruckt von Kuckarts "erzählerischem Raffinement", das sie insbesondere an der letzten Erzählung dieses Bandes preist. Die Rezensentin betont, wie "sprachgewandt" die Autorin ist, und sie lobt ihre Fähigkeit "Stimmungen" zu evozieren. Trotzdem merkt Fessmann kritisch an, dass Kuckart den Hang hat, ihre Geschichten durch ihren Wunsch nach Perfektion und Schönheit in einen "Kunstraum" einzuschließen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

Ein wenig enttäuscht zeigt sich Silja Ukena von Judith Kuckarts neuem Buch, das von Frauen erzählt, die immer auf den Falschen warten, von Liebhabern und Geliebten, von Betrügern und Betrogenen. Denn anders als etwa in ihrem Roman "Lenas Liebe" sei es der Autorin diesmal nicht immer geglückt, sich so zielsicher und mit der ihr eigenen "beharrlichen Unaufdringlichkeit" an die Fragen um die Liebe, die Hoffnung und das Glück heranzuschreiben kann, bedauert Ukena, die sich außerdem an viel Unfertigem und an Passagen stört, die ihr mit zu viel unnötiger Bedeutungsschwere aufgeladen sind. Doch die Rezensentin hat auch kluge Sätze und Gedanken über unser Bedürfnis nach Wärme in dem Buch gefunden, so dass sie es alles in allem nicht schlecht finden kann.
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