Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Im Oktober 2016 besucht der kolumbianische Regisseur Sergio Cabrera eine Retrospektive seiner Werke in Barcelona. Es ist eine schwere Zeit für ihn: Sein Vater Fausto ist vor Kurzem gestorben, seine Ehe ist zerrüttet, und sein Land hat gerade ein Abkommen zurückgewiesen, das nach fünfzig Jahren kriegerischer Gewalt endlich Frieden ermöglicht hätte. Das Wiedersehen mit seinen Filmen und der katalanischen Hauptstadt lenken den Blick zurück auf sein Leben und das seines Vaters. Sie entstammen einer Familie von Antifaschisten, die im Spanischen Bürgerkrieg das Land verlassen und in Südamerika neu anfangen müssen. Durch ihre sozialistische Gesinnung zieht es sie nach China, wo sie alles lernen, was sie für den Kampf gegen die Ungerechtigkeit brauchen. Doch nicht erst als sie sich der kolumbianischen Guerilla anschließen, merken sie, welche Opfer sie dabei bringen müssen. Basierend auf der wahren Geschichte einer Familie von Rebellen, die sich am Ende um ihre tiefsten Überzeugungen betrogen sehen, erzählt Juan Gabriel Vásquez von politischen Erschütterungen mit erschreckend heutiger Resonanz.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.10.2023
"Zeitgenössische Weltliteratur" ist für Rezensent Dirk Fuhrig Juan Gabriel Vásquez' Roman über Fausto Cabrera, der, in Spanien geboren und nach Francos Machtübernahme nach Kolumbien emigriert, dort zu einem bekannten Schauspieler und Intellektuellen wird. Das Buch basiert hauptsächlich auf den Erinnerungen des Sohns des Protagonisten, Sergio Cabrera, selbst Filmregisseur. Den realen Lebenslauf hat Vásquez in das literarische Porträt eines Mannes verwandelt, erfahren wir, der alles seinen politischen Idealen unterordnet und auch seine Kinder im maoistischen China in echte Kommunisten verwandeln möchte. Der Sohn braucht lange, zeichnet Fuhrig Vásquez' Buch nach, um sich von dieser Gehirnwäsche zu lösen und die verheerende Rolle linker Guerillagruppen in der kolumbianischen Geschichte zu durchschauen. Eine komplexe Geschichte mit vielen Zeitsprüngen, und doch kommt sie literarisch durchweg flüssig und geschmeidig daher, freut sich Fuhrig, der klarstellt, dass Vásquez mit magischem Realismus nichts am Hut hat und lieber von der Einbettung realer Biografien in historische Zusammenhänge berichtet. Auch Susanne Langes Übersetzung fügt sich laut Rezensent ins ausgezeichnete Gesamtbild.
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