Aus dem Französischen von Jan Schönherr. Ein moderner Mythos, die literarische Karambolage all der konkurrierenden Geschichten in einem kolonisierten Land! Von Kibogo erzählt man sich in der Nacht am Feuer hinter vorgehaltener Hand. Leise lauscht man dem Geschichtenerzähler, der die Legenden der alten Hügel webt und der die verbotenen Geschichten noch zu erzählen weiß. Die, die Kirchenmissionare mit allen Mitteln auslöschen wollten. Dann aber verliert ein forscher Priester sein Amt, weil er die Evangelien mit dem Märtyrertod des Ruanders Kibogo aufmischt. Und in der kleinen ruandischen Gemeinschaft am Fuß eines himmelshohen Felsen kommt es zu einem Kampf um die Deutungshoheit über Kult, Mythos und Legende. In vier verwobenen Teilen erzählt die ruandisch-französische Autorin Scholastique Mukasonga von den Wechselbeziehungen des alten ruandischen Glaubens mit dem Christentum sowie seinen Sendboten, den europäischen Missionaren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.07.2024
Dieser Roman der ruandischen Schriftstellerin Scholastique Mukasonga steht völlig zurecht auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises, findet Rezensentin Andrea Pollmeier: Sie erzählt hier die Geschichte des Jungen Kabwa, der in einem ruandischen Dorf aufwächst, das schon weit vor dem Völkermord entzweit ist, in dem sich ruandische und christliche Mythen miteinander mischen. Die Erzählung ist nah an der Perspektive des Kindes, wird aber durch ein einordnendes "Wir" ergänzt, beide Stimmen werden, so Pollmeier, hervorragend von Jan Schönherr übersetzt. Ein Buch, das auch die Geschichte der Herkunft der Autorin miterzählt und ihrem Ziel nachkommt, zur Erinnerung "Gräber aus Papier" zu schreiben, schließt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.02.2024
Rezensentin Dina Netz freut sich, dass sie mit diesem Roman der französisch-ruandischen Autorin Scholastique Mukasonga "authentische Einblicke" in die Geschichte des Landes bekommt. Worum geht's? Im französisch besetzten Ruanda warten die Menschen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges auf Regen. Der christliche Priester organisiert eine Marienprozession, aber viele Ruander setzen eher auf den vor langer Zeit verstorbenen Königssohn Kibogo, der Ruanda schon einmal vor der Dürre rettete. Netz gefällt gut, wie gallig Mukasonga hier eigentlich alle aufs Korn nimmt. Kann man gut am Lagerfeuer vorlesen, findet die Kritikerin.
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