Joyce Carol Oates

Sexy

Ab 14 Jahren
Cover: Sexy
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207929
Kartoniert, 203 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann. Darren Flynn ist beliebt - die Mädchen finden ihn sexy, die Jungs halten ihn für einen guten Kumpel und die Lehrer glauben, er könne noch viel mehr als gut schwimmen. Nur er selbst weiß nicht so richtig, wer er ist und was er will. Doch bevor er das herausfindet, wird er zum Spielball fremder Interessen: Seine Freunde spinnen eine Intrige gegen den Englischlehrer Mr. Tracy, weil sie mit ihren Noten unzufrieden sind. Sie behaupten, der Lehrer belästige kleine Jungen. Darren könnte eine entlastende Aussage machen, aber er zögert. Und plötzlich ist es zu spät: Mr. Tracy kommt bei einem Autounfall ums Leben. Jetzt muss Darren Verantwortung übernehmen ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2007

Mit angehaltenem Atem hat Angelika Overath dieses Buch gelesen. Joyce Carol Oates erzählt darin von dem 16-jährigen Darren Flynn, der mit seiner eigenen Attraktivität nicht klarkommt. Die an ihn gerichteten Erwartungen setzen ihn unter Druck, die Scham wir immer stärker, und als sich auch noch ein Lehrer in ihn verliebt, wird die Katastrophe unaufhaltsam. "Mitreißend" und psychologisch überzeugend schildert Oates in den Augen des Rezensentin, wie die "Angst vor Geschlechtlichkeit" in die "soziale Barbarei" führt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2007

"Munter geschrieben" sowie "vorzüglich übersetzt" findet Wilfried von Bredow diesen Jugendroman, der seiner Beschreibung zufolge "angesetzt und konstruiert wie ein Laborversuch" ist. Es geht um einen attraktiven und dennoch unsicheren Sechzehnjährigen, der eines Tages eine Begegnung mit einem Lehrer hat, die auch als homosexueller Annäherungsversuch missverstanden werden kann. In der Folge wird, wie von Bredow schreibt, der Lehrer in den Tod getrieben, ohne dass der junge Darren Partei für ihn ergreift. Erst als es zu spät ist, find er zur nötigen Zivilcourage, was die Lektion des Romans für den Rezensenten jedoch noch eindringlicher macht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.11.2006

Mit wohligem Vergnügen vermerkt Rezensentin Angelika Ohland, dass Joyce Carol Oates' Jugendroman auf jede genretypische "verbale Ranschmeiße" verzichtet. Die Autorin schreibe für ihre jugendlichen Leser nicht weniger komplex als in ihren Büchern für Erwachsene und kommt nach Ansicht der Rezensentin den Schwierigkeiten der Pubertät damit sehr viel näher, als das der marktgängigen Jugendliteratur gelingt. So ist auch der Hauptcharakter dieses Buches, der mit einer "sexy" Figur gesegnete Darren, keineswegs ein einschichtiger Charakter und seine Geschichte nicht eben unkompliziert. Darren, der es immer allen recht machen will, wird in eine Intrige gegen einen angeblich schwulen Lehrer verwickelt. Man merkt dem Buch die Qualität der Autorin jederzeit an, preist die Rezensentin und summiert, dass dieses Buch schlicht "in einer anderen Liga" als die gewöhnliche Pubertätskost spielt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2006

Als "Buch der Extraklasse" und "erneuten Volltreffer" lobt und preist Rezensent Jürgen Stahlberg Joyce Carol Oates? drittes Jugendbuch. Es beginne mit der "wunderbaren Charakterstudie" eines Sechzehnjährigen und seiner Fantasien, und weite sich im Verlauf der Geschichte ins Hinreißende und Tiefgründige aus. Als nämlich Oates einen dramatischen Konflikt zwischen dem Protagonisten, seinen Freunden und einem Englischlehrer erfindet, der einen tödlichen Ausgang hat. So "subtil und klug" vermag aus Sicht des Rezensenten derzeit keine andere Jugendbuchautorin über die Gefühlswelten junger Menschen schreiben, gibt Stahlberg mit tiefer Bewunderung für diese Autorin zu Protokoll. Nebenbei hat er allerdings auch seinen Spaß daran, zu beobachten, wie sich die "immerhin schon 68jährige" in ihren jugendlichen Helden verliebt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Die Bücher von Joyce Carol Oates sind deshalb unter Jugendlichen so beliebt, weil sie über ein hohes Identifikationspotenzial verfügen, konstatiert die Rezensentin Hilde Elisabeth Menzel. So verhält es sich auch mit dem sechzehnjährigen Helden des neuen Romans, Darren, einem erfolgreichen Turmspringer, ebenso schüchtern wie gut aussehend. Da macht es die Sache nicht besser, wenn ihn seine Freunde "Sexy" nennen. Hinzu kommen eine uneingestandene Liebe zur besten Freundin Molly und die verwirrenden Blicke des Lehrers Dr. Tracy, die zwar folgenlos bleiben, Darren jedoch in einen Gewissenskonflikt mit seinen Freunden bringt. Der dramatische Stoff gewinnt eine "Eigendynamik, die nicht mehr zu stoppen ist" und ein tragisches Ende nimmt. Auch hier sucht die Autorin wieder die Nähe zu ihren Lesern, indem sie Darrens ausweichende Haltung zu der des Lesers macht. Unentschieden bleibt, wer von uns sich anders verhalten hätte, so die Rezensentin.
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