Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke. Illustriert von Brendan Shusterman. Caden hält sich für einen normalen Jungen. Doch sein Verstand ist ein krankhafter Lügner, der sich auf fantastische Reisen begibt. Manchmal befindet Caden sich auf dem Weg zum tiefsten Punkt der Erde im Marianengraben, auf einem Schiff, auf dem die Zeit seitlich läuft wie eine Krabbe, verwittert von Millionen Fahrten, die bis in die finstere Vergangenheit zurückreichen. Und in der Realität lässt Cadens Verstand harmlose Dinge wie einen Gartenschlauch zur tödlichen Gefahr werden. Als die Grenze zwischen realer und fantastischer Welt verschwimmt, begreift Caden: In den Tagen der Bibel hätte er vermutlich als Prophet gegolten, doch heute lautet die Diagnose: Schizophrenie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.11.2018
In "Kompass ohne Norden" verarbeitet der Science-Fiction-Jugendautor Neal Shusterman seine Erfahrungen mit der Schizophrenie seines Sohnes, erzählt Rezensentin Petra Kohse. Trotzdem hat sein Buch nichts von einer Dokumentation, findet die Rezensentin und bezeichnet es stattdessen als "poetisches Prisma", in dessen komplizierter Beschaffenheit die Wahrnehmungswelten eines psychotischen Jungen sichtbar werden. Ohne Frage bietet dieses Thema eine Herausforderung für die Literatur, so Kohse, die diese von Shusterman mit Bravour gemeistert sieht. Lob geht auch an Ingo Herzes hervorragende Übersetzung ins Deutsche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018
Rezensentin Ramona Lenz verfolgt die Spleens, Träume und Spinnereien des jugendlichen Helden in Neal Shusterman Jugendbuch bis zur Diagnose von dessen psychischer Erkrankung. Dass der Autor das Schicksal seines eigenen Sohnes im Buch verarbeitet, die Sensibilität für psychisches Leiden erhöhen und den Opfern Trost zusprechen möchte, macht die Lektüre für Lenz nicht trocken. Dafür sorgen Shustermans Einfälle, sein Humor und die Bildlichkeit, die der Autor für die dunklen Fantasien der Figur erfindet. Was den Text außerdem über herkömmliche problemorientierte Jugendliteratur hinaushebt, ist für Lenz die parallel im Buch erzählte Fantasy-Geschichte, die mit Motiven aus "Moby Dick" und "20000 Meilen unter dem Meer" arbeitet und durch Zeichnungen von Shustermans Sohn illustriert werden.
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