Aus dem Amerikanischen von Silvia Morawetz. Das Leben ist ein Verhängnis. Noch in der Hochzeitsnacht wird Ariah zur Witwe. Spurlos verschwindet ihr Mann in den Tiefen der Niagarafälle. Aber für Ariah fließt der Lebensstrom weiter, sie verliebt sich und gründet eine Familie - und dann schlägt das Schicksal noch einmal zu. Auch ihr zweiter Mann kommt auf mysteriöse Weise um. Jahrzehnte später decken die Kinder das Drama der Eltern auf: dunkle Geheimnisse, Betrügereien und verletzte Gefühle.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2008
Sie schreibt und schreibt und schreibt. Dies ist, falls die Zählungen stimmen, Joyce Carol Oates' vierunddreißigster Roman und zwei weitere sind auch schon fertig. Rezensent Wolfgang Schneider zeigt sich freilich durchaus beeindruckt von den Textmassen, die die Autorin seit Jahr und Tag produziert. Gewiss dürfe man da nicht mit sprachlichen Feinziselierungen rechnen, dafür aber entschädige die immer wieder beträchtliche Wucht des Erzählmahlstroms. Der hier allerdings im Motiv des Wasserfalls Ausdruck findet, der Niagara-Fälle genauer gesagt, an die die "ungefällige" Heldin Ariah gleich zwei ihrer Ehemänner verliert. Den ersten in der Hochzeitsnacht durch Selbstmord, den zweiten durch Mord infolge von investigativem Journalismus in einem Umweltskandal. "Wirlich groß", so Schneider, sind die ersten einhundert Seiten, die restlichen 450 durchzuhalten, scheint dem Rezensenten aber auch eher Vergnügen als Langeweile bereitet zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.07.2007
Kai Wiegandt nötigt es viel Respekt ab, wie unbekümmert Joyce Carol Oates in ihrem jüngsten Roman "Niagara" auf jedes ökonomische Erzählen pfeift. Die amerikanische Autorin häuft dramatisches Ereignis auf dramatisches Ereignis und lässt ihre Leser dabei kaum zu Atem kommen, stellt der Rezensent beeindruckt fest. Auch vor "Pathos" hat Oates keine Scheu und das sichert ihr die Bewunderung Wiegandts. Wie sie verschiedene Genres - Ehedrama und Umweltkrimi - mischt, preist der Rezensent als gekonnt, und deshalb fällt es für ihn nicht so stark ins Gewicht, dass er sprachlich schon einiges zu bemängeln hat. Aber die schiefen Vergleiche und die mitunter klischeehafte Sprache werden aufgewogen durch den Sog, den das Buch entwickelt und der vor allem durch die vielen unaufgeklärten "Gerüchte" entsteht, die der Geschichte insgesamt etwas Unheimliches und "Verhängnisvolles" geben, so Wiegandt begeistert.
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