Peter Carey

Parrot und Olivier in Amerika

Roman
Cover: Parrot und Olivier in Amerika
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783100102348
Gebunden, 558 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Parrot und Olivier sind zwei Schiffbrüchige des Lebens: Olivier ist adliger Franzose und auf der Flucht vor der Revolution. Parrot ist der buntscheckige Sohn eines englischen Kupferstechers und Falschmünzers, ein Stimmenimitator, den es einmal um den Globus jagt, bis er schließlich Frankreich erreicht. Ein zwielichtiger, einarmiger Marquis spannt sie zusammen: Olivier soll die Gefängnisse der neuen Demokratie von Amerika studieren und Parrot ihm als Kopist, Wächter und Spion folgen. Nie hat ein ungleicheres Paar seine Füße auf die Planken eines Schiffs gesetzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2011

Fast bookerpreisverdächtig findet Martin Halter diesen Roman von Peter Carey. Erwartungsvoll taucht Halter ein in die von der alten Konstellation Herr und Knecht geprägte Geschichte um einen Alteuropäer auf Tocquevilles Spuren, der von seinem gescheiteren Diener bald eines besseren belehrt wird. Unterwegs entdeckt Halter nicht nur einmal mehr das knallig fabulistische und dramaturgische Talent Careys, sondern ebenfalls, wie gut sich seine satirischen Spitzen auf die jüngere Vergangenheit, auf George W. Bush und Guantanamo etwa, anwenden lassen. "Übermütig" ist das Wort, das Halter dazu einfällt, aber auch: "geistreich". Für den Rezensenten nicht zuletzt aufgrund einer entsprechend "biegsamen" Übersetzung am besten festzumachen an den Repliken der beiden aneinander sich reibenden Kontrahenten: Lakonisch, sarkastisch einerseits, parfümiert artifiziell andererseits.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2010

Hingerissen ist Christoph Schröder von Peter Careys historischen Roman "Parrot und Olivier in Amerika". Er bescheinigt dem Autor einen überaus gewandten Umgang mit einem historischen Stoff: der Reise des französischen Adligen Alexis de Tocqueville nach Amerika 1831. Carey gelingt es zu Schröders Freude, Fakten und Fiktion gekonnt zu verweben, so dass der Roman etwas von einer "Wundertüte" hat, in der sich Abenteuerroman, Bildungsgeschichte, Satire und Gespräch über die Demokratie finden. Das ungleiche Paar Olivier und Parrot, der eine ein schnöseliger Adeliger, dem die amerikanische Demokratie eher suspekt ist, der andere sein bodenständiger Begleiter, der nicht sich nicht den Konventionen des Bediensteten fügt, sorgt nach Schröder für einige Komik. Unterhaltsam scheint ihm das Buch aber auch sonst. Besonders hebt er die satirischen Kommentare hervor, die auf die Vereinigten Staaten der Gegenwart gemünzt sind.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.10.2010

Entzückt zeigt sich Sylvia Staude von Peter Careys Roman, der Alexis de Tocquevilles Reise nach Amerika nacherzählt. Historie oder Abhandlung bietet "Parrot und Olivier in Amerika" zur Freude der Rezensentin allerdings eher wenig. Das hat sie auch gar nicht erwartet, schätzt sie den Autor doch für seine anschaulichen, lebendigen, süffigen Romane, die gern auch mal ins Fantastische abschweifen. Auch Careys neues Buch hat sie in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. Mit großem Vergnügen ist sie der abenteuerlichen Amerikareise des Adligen Olivier-Jean-Baptiste de Clarel de Barfleur de Garmont und dessen Begleiter John Larrit gefolgt, einem herrlichen Paar, das sie an Don Quijote und Sancho Pansa erinnert. Mit Lob bedenkt sie auch die Übersetzung von Bernhard Robben, die mit "feinem Gespür für Wortreichtum, Ironie, Rhythmus" überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010

Als Verehrer von Tocqueville ist die Lektüre von Peter Careys pikareskem Historienroman für Jürgen Brocan doppelt schön, kann der Rezensent doch die biografischen Koordinaten erkennen, zwischen denen der Autor zur dichterischen Kür ansetzt. Allerdings geht?s auch ohne. Brocan verspricht elegante Romanfiktion mit warmherzigem Humor, genauer Beobachtung der menschlichen Natur, einem geschliffenen Stil und einem Strudel der Geschichte und der burlesken Abenteuer, in den die beiden Erzähler, ein Adliger und sein Diener, auf ihrer Amerikareise geraten. Dass politische Kommentare und "ironische Seitenhiebe" auf amerikanische Gepflogenheiten auch heute noch treffen, ist für Brocan von zusätzlichem Reiz.