Benjamin R. Barber

Imperium der Angst

Die USA und die Neuordnung der Welt
Cover: Imperium der Angst
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406509544
Gebunden, 258 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Karl Heinz Silber. George W. Bush und seine engsten Mitarbeiter reagieren auf die Herausforderungen des Terrorismus mit einer militärischen Gewalt, die nicht nur in der arabischen Welt Furcht und Misstrauen weckt. In seinem klug argumentierenden Buch zeigt Benjamin R. Barber, warum die Strategie der USA seiner Meinung nach in eine Sackgasse führen muss. Sein Fazit: Was die Welt braucht, ist "präventive Demokratie", nicht "Präventivkrieg". Amerika muss sich entscheiden: soll die Welt an die Seite der USA oder sollen die USA an die Seite der Welt treten. Davon wird die weltpolitische Entwicklung entscheidend abhängen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.01.2004

Warnfried Dettling ist begeistert: Als "politisch wichtiges und intellektuell brillantes Buch" feiert er Benjamin Barbers "Imperium der Angst". Es sei eine ebenso "kluge" wie "bissige" Analyse der Bestrebungen der USA, die Welt neu zu ordnen. Dettling würdigt Barber als engagierten Wissenschaftler, der sich in politische Debatten einmischt, ohne seine wissenschaftlichen Standards zu vergessen. Barber setze der Pax Americana und Bushs Doktrin des Präventivkriegs ein Konzept der "präventiven Demokratie" entgegen, erklärt unser Rezensent. Orientiert an einem universellen, in der Gleichartigkeit aller Menschen wurzelnden Recht, sehe Barber darin die letztlich einzig erfolgreiche Strategie, um den Terrorismus langfristig mit Erfolg zu bekämpfen. Entstanden ist ein Buch, das "vieles zugleich" ist, freut sich Dettling: ein "gescheites Pamphlet" gegen die Bush-Regierung und deren Strategie vom Präventivkrieg; eine Analyse der neuen Realitäten in einer globalisierten Welt; eine normative und ideengeschichtliche Rekonstruktion der Prinzipien der liberalen Demokratie und des Völkerrechtes; und "nicht zuletzt" ein Buch in praktischer Absicht, um das von ihm mitbegründete Projekt CivWorld, eine Bewegung für globale Demokratie, zu fördern. Alles in allem preist Dettling "Imperium der Angst" als "furioses Buch", das er jedem politisch Interessierten, aber auch jedem Außen- und Innenminister ans Herz legt, "auf dass sie besser verstehen und klüger handeln".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2004

In seinem neuen Buch plädiert der amerikanischen Politikwissenschaftler Benjamin Barber dafür, Bushs Präventivkriegdoktrin durch eine "präventive Demokratie" zu ersetzen, berichtet Rezensent Henning Hoff. Den Präventiv-Krieg, als Mittel der US-Außenpolitik, erachtet Barber demnach nicht nur rechtlich und moralisch als fragwürdig, sondern auch als nicht erfolgreich, hält Hoff fest. Wie Hoff ausführt, untersucht Barber die Grundlagen und Traditionen von Bushs Präventivkriegdoktrin und legt dabei die Widersprüchlichkeit der amerikanischen Politik offen. Barbers Gegenvorschlag zur Präventivkriegdoktrin, die "präventive Demokratie", die über zivile Kooperation und geduldige Hilfe, internationale Bürgerinitiativen und Kontakte "globale Formen demokratischen Regierens" ermöglichen soll, trägt nach Hoffs Ansicht "utopische Züge". Aber: "Wer die Welt verändern will", gibt er Barber Recht, "braucht große Ideen." Als Schwachpunkt des Buches nennt der Rezensent Barbers "Hang zum Dualismus und zu verkürzenden Chiffren". Zudem hätte er sich an manchen Stellen eine "schärfere Unterscheidung" zwischen Rhetorik und Politik der Regierung Bush gewünscht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2003

Seit dem Ende des Kalten Krieges, umreißt Christian Kind den Kontext dieses Buches, hat sich das Verhältnis Amerikas zum Rest der Welt gewandelt, und seit dem 11. September tritt das neue Auftreten der einzigen verbliebenen Weltmacht auf der globalen Bühne deutlich zutage: in eigenmächtig geführten Feldzügen und der Missachtung von UN-Resolutionen. Die einen - Bush und das Pentagon - sehen darin eine notwendige Anpassung einer "traditionellen Politik der Verteidigung der Freiheit" an eine veränderte Weltlage, andere interpretieren den "Krieg gegen den Terrorismus" als Ausdruck eines "rücksichtslosen Unilaterismus". Da sich dabei die Stimmen häufig vor Erregung überschlagen, begrüßt Kind die "vergleichsweise nüchterne Darstellung" Benjamin Barbers, der von einer Dämonisierung Bushs Abstand nehme, dessen Argumentation aber dennoch eindeutig ausfalle: "Eine Politik, die auf der Angst vor dem Terrorismus beruht und ihrerseits darauf ausgeht, Angst zu verbreiten", müsse schließlich scheitern. Barber erinnere mahnend an die "universalistische Tradition der amerikanischen Außenpolitik" und baue auf das Korrektiv einer aktiven "Teilhabe der Bürger am Staat".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.09.2003

Eine "Ausgeburt der Angst", nicht zuletzt der Angst vor Freiheit, sieht Benjamin R. Barber in der Idee der Pax Americana, berichtet Rezensent Bruno Preisendörfer. Wie er weiter ausführt, richtet sich Barbers Argumentation insbesondere gegen die hegemoniale Doktrin der Regierung Bush, die durch den Willen zum Präventivkrieg und die Verwechslung von Demokratie mit "McWorld", wie Barber die regelungsfeindliche Variante der Marktwirtschaft nennt, charakterisiert ist. Den politisch-moralistischen Unterstrom, der die aggressive Weltordnungspolitik der Bush-Regierung trage, bezeichnet Barber als "Exzeptionalismus" und brandmarkt ihn als eine Art imperialer Infantilismus. Interessant findet Preisendörfer dabei, wie sehr Barbers Kritik am Exzeptionalismus der Bush-Regierung mit jener Kritik übereinstimmt, die im "alten Europa" geübt wird, etwa vom Friedens- und Konfliktforscher Ernst-Otto Czempiel. Als Alternative zum Erzwingen einer Pax Americana im Kampf gegen den Terrorismus sehe Barber in der Abkehr vom Exzeptionalismus und der Wiederannäherung an Wertvorstellungen, wie sie beispielsweise von der UNO symbolisiert würden, und im Konzept der "präventiven Demokratie", das Geld, Geduld und Augenmaß verlange und nur vernetzt entwickelt werden könne. Konsequent münde Barbers Kritik in ein "Manifest der Interdependenz", hält Preisendörfer fest, "das im Ton der alten nationalen Unabhängigkeitserklärung ein Gelöbnis für die neue globale Politik Formuliert".