Nach Jahren einer Existenz als Spitzel und Mörder erzählt die Hauptfigur des Romans, Goluptschik, in einer kleinen Pariser Emigrantenkneipe die Geschichte seines abenteuerlichen Lebens. In der Sehnsucht, seinem armen Leben zu entfliehen und am Reichtum der Anderen mit zu partizipieren, verlassen ihn alle moralischen Vorstellungen, und er wird zum bezahlten Schuft und Verderber anderer Menschen Schicksale. Und dies ist die Faszination vieler Romane von Joseph Roth: Die ungewöhnliche, spannungsreiche und turbulente Erzählung über die Kräfte des Bösen, denen wir Menschen anheimfallen können, wenn wir dem Credo unserer zivilen Menschlichkeit verzagen: Achte den Anderen wie er dich achten soll.
Dass Joseph Roth auch noch in seinem Pariser Exil, gezeichnet von Armut und Alkohol, solch grandiose Romane fertig brachte, kann Rezensentin Angela Gutzeit nur mit größter Bewunderung quittieren. Auch in der "Beichte eines Mörders" entdeckt sie die "graziöse, süffisante Ironie", die Roths Spätwerk eigen ist. Der Roman erzählt die Geschichte des Semjon Golubtschik, der sich aus verletzter Eitelkeit und versagter Anerkennung dem russischen Geheimdienst als Spitzel andient. Mitunter nehme die Ausweglosigkeit bei Roth zwar religiös-existenzielle Züge an, räumt die Kritikerin ein, aber der Kraft dieses begnadeten Erzählers könne dies keinen Abbruch tun. Auch Klaus Washks Zeichnungen findet sie sehr gelungen.
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