Joseph Brodsky

Brief in die Oase

Hundert Gedichte
Cover: Brief in die Oase
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207332
Gebunden, 304 Seiten, 23,50 EUR

Klappentext

Übertragen von Ralph Dutli, Felix Ingold, Alexander Kaempfe, Heinrich Ost, Sylvia List, Raoul Schrott und Birgit Veit. Herausgegben und mit einem Nachwort von Ralph Dutli. Die umfangreichste Auswahl von Gedichten des russischen Nobelpreisträgers in deutscher Sprache. Joseph Brodsky war ein Dichter vielfältiger Masken und Metamorphosen, ein russischer Odysseus und vom Tod besessener Ironiker, ein Liebeselegiker, Exilant und Erforscher der Zeit, ein eingefleischter Skeptiker und energischer Verteidiger von Wert und Würde der Poesie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2006

Hocherfreut zeigt sich Ulrich M. Schmid von dieser "repräsentativen Auswahl" aus Joseph Brodskys lyrischem Oeuvre, die Ralph Dutli vorgelegt hat. Ausführlich berichtet er über das "radikal individuelle Poetendasein" des Dichters, für den Poesie das Leben selbst gewesen sei. Er beschreibt ihn als zurückgezogenen Misanthropen und würdigt den neuen Ton, den Brodsky in die russische Dichtkunst einführte. Über Dutlis Auswahl von hundert Gedichten Brodskys äußert sich Schmid überaus lobend. Er hebt hervor, dass Dutli die meisten Gedichte selbst übersetzt, und dabei die "für Brodsky so typische Mischung aus Umgangssprache und lyrischer Pointierung" bewahrt hat. Generell bescheinigt er Dutli, der "sprachlichen Innovationskraft seines Originals" gerecht zu werden. Wer Brodskys Lyrik in Dutlis kongenialer Übertragung lese, lobt der Rezensent abschließend, "taucht in eine poetische Sprachwelt ein, die den Sinn nicht auf den Begriff reduziert, sondern eine eigene Lautwahrheit begründet".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2006

Verdankt sich der Weltruf Joseph Brodskys nun einer "Bilderbuchbiografie" als Dissident im Ostblock, oder handelt es sich um einen der Großen in der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts, fragt Olga Martynova und entscheidet sich nachdrücklich für die letztere Lesart. Der Lyriker ist, bei aller Neigung zur mythologischen Überfrachtung, kein "verlorener (Stief-)Sohn der Weltkultur" wie etwa Ossip Mandelstam, sondern ein "Raubtier der Poesie" und unverschuldeter "Barbar", der sich alles nahm, "was ihn auf kürzestem Wege zum wirksamen Bild brachte" und sich auf diese Weise Zugang zur Weltliteratur verschaffte. Brodsky gehört zu jener Generation der sowjetischen 50er Jahre, die aus einer tiefgreifenden kultureller Erstarrung aufbrach. Die chronologischen angeordneten Gedichte geben eine gute Vorstellung von diesem intellektuellen und sinnlichen Hunger, erklärt die Rezensentin, und sie zeigen, was Dichten für Brodsky war: abenteuerlicher Erkenntnisprozess und "eine ungeheure Beschleunigung des Empfindens, des Denkens".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2006

Der begeisterte Hauke Hückstädt meint, dass der Band mit 100 Gedichten von Joseph Brodsky ein "repräsentatives" und vor allem ein "famoses Buch" ist, das auch für nicht völlig der Lyrik verfallene Leser eine "bestmögliche Hausfibel" darstellt. Herausgeber Ralph Dutli hat darin sowohl bekannte und dabei "unverzichtbare" wie auch für diesen Band neu übersetzte Gedichte versammelt, und der Rezensent ist überzeugt, Brodsky hätte diese Auswahl "glücklich gemacht", weil sie ihm in ihrer "Polyphonie der Stimmen" durchaus "gerecht wird". In seinem "kenntnisreichen Nachwort" gelinge es dem Herausgeber zudem, "werkmächtige Überschriften" für Brodsky zu finden, indem er beispielsweise darauf hinweist und in seinem Auswahlband auch "nachvollziehbar macht, wie Brodsky von einem "trotzigen Plädoyer für das Individuum" zum Wunsch, im Exil ein "Niemand" zu werden, kommt. Die "editorische Leistung" dieses Buches bringt Brodsky wie auch seine Lyrik zum "Leuchten", schwärmt der Rezensent verzückt.