Steffen Jacobs

Der Lyrik-TÜV

Ein Jahrhundert deutscher Dichtung wird geprüft
Cover: Der Lyrik-TÜV
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783821845654
Gebunden, 356 Seiten, 28,50 EUR

Klappentext

Jeder kennt sie, aber nicht jeder liest sie: Busch, Rilke, George, Weinheber, Benn, Rühmkorf, Enzensberger, Hartung, Gernhardt, Grünbein. Sie gelten als die Blüte deutscher Dichtkunst, ihre Werke finden sich in allen neueren deutschen Gedichtsammlungen des 20. Jahrhunderts, und in Oberseminaren kaut man auf ihren geistigen Erzeugnissen herum wie auf zähem Leder. Aber: wie gut sind sie wirklich? Was haben sie außer ihren zehn in jeder Anthologie vertretenen Glanzstücken noch geschrieben? Und: halten diese auch dem Blick des praktischen Kenners stand? Steffen Jacobs ist selbst zur Zunft der Gedichtmetze gehörig und weiß um die Schwierigkeiten des Metiers aus jahrzehntelanger Praxis. Er unterzieht je einen Lyriker pro vergangenem Jahrzehnt einem unbarmherzigen Test (und je zehn einem Lyrik-Schnelltest).

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2007

Zunächst kam Rezensent Martin Krumbholz die Idee, deutsche Poesie des 20. Jahrhunderts anhand harter Kriterien einem "TÜV" zu unterziehen, etwas "technoid" vor. Doch Steffen Jacobs "Test" ausgewählter Werke deutscher Dichter, darunter Benn, Enzensberger, Rühmkorf und Rilke, hat den Rezensenten voll und ganz überzeugt. Zum einen findet er den "beherzt-pragmatischen" Zugriff des Autors insofern konsequent, als dieser seine Qualitätskriterien offenlegt: Es geht ihm um eine Bewertung des in der Lyrik enthaltenen "Lebensstoffes" im Gegensatz zur rein kunstvollen Oberfläche. Die Plakette verweigert Steffen Jacobs am Ende aber keinem der Dichter, und bis auf eine kleine Spitze gegen Durs Grünbein hat er vor allem Gutes über die Autoren zu sagen. Dem Rezensenten haben besonders die treffenden und ironischen Kommentare des Autors gut unterhalten. Steffen Jacobs gehe "mit pädagogischem Eros zu Werke, in der Art eines geschickten Lehrers, der eine nur halbwegs willige Klasse mit erheblichem dramaturgischen Raffinement bei Laune hält", lobt er anerkennend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2007

Beate Tröger kann sich für diesen "Lyrik-TÜV" von Steffen Jacobs nicht wirklich erwärmen. Sie sieht das Buch im Kontext des gegenwärtig in allen gesellschaftlichen Bereichen um sich greifenden Evaluationswahns. Überzeugt hat sie Jacobs' Prüfung einer Reihe von Klassikern der Dichtkunst in keiner Weise. Schon die Auswahl der Dichter scheint ihr alles andere als repräsentativ, schließlich vermisst sie Autoren wie Bertolt Brecht, Paul Celan, Ernst Jandl oder Rolf Dieter Brinkmann sowie Lyrikerinnen wie Else Lasker-Schüler, Friederike Mayröcker oder Ingeborg Bachmann. Auch die Kriterien, auf die der Autor zur Beurteilung der ausgewählten Dichter zurückgreift, - "biografische Details" und "psychoanalytische Platituden" - hält Tröger für verfehlt. Dies erweist sich für sie etwa bei Jacobs Blick auf Stefan George, den er ohne Würdigung seiner Sprachkunst als gestörten Narzissten brandmarkt. Aber auch wenn der Autor einem Dichter wie Rilke sprachliches Unvermögen vorhält, kann Tröger nur widersprechen. Sie wirft Jacobs im Gegenzug vor, die "schöpferische und stilisierende Bewegungen der poetischen Sprache" nicht anzuerkennen und dementsprechend etwa ein "Pfannkuchengedicht" von Wilhelm Busch den "Sonetten an Orpheus" vorzuziehen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2007

Keinen großen Gefallen gefunden hat Tobias Lehmkuhl an Steffen Jacobs "Lyrik-TÜV", der prüfen will, welche Gedichte den Test of Time bestanden haben. Denn dabei geht es zum Bedauern von Lehmkuhl nicht gerade subtil zu. Auch dass ein Großteil der Dichtung des zwanzigsten Jahrhunderts fehlt, und Frauen gar nicht vorkommen, macht für ihn die Sache nicht besser. Die Auswahl der zehn Dichter (Busch, Rilke, George, Weinheber, Benn, Enzensberger, Rühmkorf, Gernhardt, Hartung und Grünbein) mutet ihn zudem recht "bieder" an. Richtig ärgerlich findet er die zunehmend dünkelhafte Art, in der Jacobs mit seinen Dichtern umspringt. Jacobs Kritik an Grünbeins Gedichten ("Bildungshuberei, sprachliche Überorchestrierung, intellektualistische Dünnbrettbohrerei") scheint ihm dann sehr zutreffend dessen eigenen Stil zu beschreiben. Nach der Lektüre kann Lehmkuhl jedenfalls verstehen, "warum Dichter so häufig einen Hass auf Kritiker haben."
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