Rudolf Borchardt

Deutsche Renaissancelyrik

Cover: Deutsche Renaissancelyrik
Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN 9783446230330
Gebunden, 582 Seiten, 54,00 EUR

Klappentext

Aus dem Nachlass rekonstruiert und herausgegeben von Stefan Knödler. Sinnlich, frech und wie eben improvisiert klingen diese zumeist anonym, aber z. B. auch von Orlando di Lasso vertonten Stücke, charmant und brünstig, melancholisch und augenzwinkernd, ein Reigen von Versen an das "Mysterium Frau". Rudolf Borchardts berühmter Anthologie Ewiger Vorrat deutscher Poesie tritt hier eine zweite an die Seite: deutsche Liebesgedichte des 16. Jahrhunderts. Das Buch erschließt die bis heute verschollene weltliche Seite der Dichtung zwischen Mittelalter und Barock. Die Liedtexte werden nach der von Borchardt beabsichtigten Anordnung wiedergegeben. Ein kritischer Apparat bietet Vorlagen und Varianten, das Nachwort skizziert die Bedeutung des Projekts in der Traditionsdebatte der zwanziger Jahre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2008

Recht lang holt Harald Hartung aus, um das Projekt des Rudolf Borchardt plausibel zu machen, der sich auf so radikale Weise der Tradition verschrieb, dass er sie in Teilen so erfand, wie sie seiner Ansicht nach gehörte. Das gilt für seine Dante-Übersetzung in ein Oberdeutsch, das es gar nicht gab. Und in gewisser Weise gilt es auch für die unvollendete Sammlung und eigensinnige Restauration anonymer Poesie als deutsche Renaissancelyrik, die nun aus dem Borchardtschen Nachlass herausgegeben wurde. Eine deutsche Renaissancelyrik hat im strengen Sinn nicht existiert - Borchardt aber behauptet sie herbei. Nicht zuletzt durch Überarbeitung und Rückübertragung späterer Texte in einen wiederum von ihm selbst aus dem Nichts rekonstruierten Sprachzustand. Nicht anfreunden will sich Hartung freilich mit der Idee, das ließe sich als "Manipulation" beschreiben. Denn zu bezwingend scheint dem Rezensenten das Ergebnis. Was Borchardt hier zusammengetragen habe, findet er nämlich verblüffend in seiner Frische, in seinem "drive". Die Gedichte seien "fast alle interessant und lesbar, viele faszinierend, einige großartig, ja groß". Verböte sich der Begriff im Zusammenhang mit einem wie Borchardt nicht, ließe sich, versichert Hartung, fraglos von einer "Sensation" sprechen.
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