Mit 329 Farbtafeln und einer CD mit Sprach- und Musikaufnahmen. Mit einem vorwort von Günter Grass. Roma, Sinti, Cale und weitere ethnische Gruppen, die man gemeinhin unter dem Begriff "Zigeuner" zusammenfasst, bilden die größte Minderheit Europas. Sie leben völlig verstreut - jede Gruppe in ihrer speziellen Situation, mit ihrer eigenen Sprache und Kultur. Im Lauf der Geschichte wurden die Roma in ganz Europa verfolgt, gar versklavt und immer wieder vertrieben. Roma erfahren auch heute noch vielfältige Diskriminierung, und allerorten begegnen ihnen weite Teile der Bevölkerung zumindest mit Mißtrauen. Cia Rinne und Joakim Eskildsen gingen zwischen 2000 und 2006 auf Reisen, um Roma in sieben verschiedenen Ländern aufzusuchen. Sie blieben häufig für längere Zeit als Gäste bei Familien und tauchten tief in die Lebenswelt dieser Menschen ein. "Die Romareisen" ist ein sehr persönliches Dokument dieser Begegnungen.
Mit einigem Eindruck hat Rezensent Wolfgang Müller dieses Fotobuch über Roma in Europa zur Kenntnis genommen. Zwar findet er das "staatstragende" Vorwort von Günter Grass zunächst nicht so inspirierend. Auch die Texte des Buchs scheinen nicht wirklich der Rede wert zu sein. Die Fotos beeindrucken den Rezensenten dann aber doch, obschon er die fotokünstlerische Ästhetisierung der überwiegend elenden Zustände nicht kritiklos hinnimmt: Muss Armut so glänzend aussehen? Als Kunstgriff fasst es Müller auf, dass die Abgebildeten mitunter extrem körperlich, manchmal fast wie Skulpturen wirken. Die in den Texten thematisierte persönliche Beziehung zwischen den Roma und dem Fotografen bleibt indes bloße Behauptung, so der Rezensent. Für liefert eher die spürbare Distanz in den Blicken der Fotografierten jenseits technischer Perfektion den Mehrwert dieses Buches
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2008
Zwischen 2000 und 2006 waren die Schriftstellerin Cia Rinne und der Fotograf Joakim Eskildsen unterwegs, in sieben Ländern der Welt von Finnland bis Indien und dokumentieren in diesem Band das auf diesen Reisen von ihnen beobachtete Leben der Sinti und Roma. Acht Millionen von ihnen leben, oft erzwungenermaßen eher sesshaft als nomadisch, über Europa verstreut. Andreas Breitenstein fasst in seiner Rezension des Bandes kurz die Geschichte der Sinti und Roma seit dem 15. Jahrhundert zusammen, zitiert Günter Grass, der im Vorwort über den "blinden Fleck im Bewusstsein Europas" schreibt und lobt die "innigen Porträts" dieses Bandes. Entstehen konnten sie nur, weil Fotograf und Autorin sich auf ihre Gastgeber einließen, aus den Bildern sprechen, lobt Breitenstein, trotz der oft ärmlichen Umstände "Anmut und Würde".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.12.2007
Angetan zeigt sich Alex Rühle von diesem "epischen Bildband" über das Leben der Roma, den der Fotograf Joakim Eskildsen und die Autorin Cia Rinne vorgelegt haben. Wie er berichtet, sind die beiden sieben Jahre durch sieben Länder wie Griechenland, Südfrankreich, Rumänien, Russland gereist, um die Roma und ihren Lebensstil besser kennen zu lernen. Er hebt hervor, dass Rinne zu Beginn der jeweiligen Kapitel ihre eigenen Reiseerlebnisse mit der Geschichte der Roma im betreffenden Land verzahne. Eskildsens Bildessays erzählten dann die Geschichten der Familien am Rand der jeweiligen Gemeinden und Kulturen. Die eindringlichen Gesichterporträts und Milieustudien machen für Rühle deutlich, dass die Roma nach wie vor geografisch wie sozial am Rand leben.
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