Jon Fosse

Das ist Alise

Novelle
Cover: Das ist Alise
Marebuchverlag, Hamburg 2003
ISBN 9783936384086
Gebunden, 115 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. In einem Haus an einem Fjord liegt Signe, eine alte Frau, auf einer Bank und sieht sich selbst als junge Frau durch die Räume gehen. Sie sieht sich am Fenster stehen und auf das Wasser blicken. Sie sieht ihren Mann Asle, den es in seinem kleinenBoot immer wieder auf den Fjord hinauszog, bis er eines Tages nicht zurückkehrte. In dem alten Haus, das erfüllt ist von den Stimmen seiner ehemaligen Bewohner, traumwandelt Signe durch die Vergangenheit und begegnet den vorangegangenen Generationender Familie - bis zurück zu Asles Ururgrossmutter Alise, die in der Nacht am Ufer ein Feuer hütet. Denn schon damals hatte es einen gegeben, der nie mehr vom Fjord zurückkam...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2004

Jon Fosses Texte ähneln sich, haben gar einen "Markenrationalismus" entwickelt, der einer kreativen Weiterentwicklung des Autors hinderlich sein könnte, formuliert Aldo Keel eine vorsichtige Kritik anlässlich der nun erschienenen Novelle "Das ist Alise", die wiederum eine Variante des Stücks "Eines Sommers Tag" ist, informiert uns der Rezensent. Fosses Prosa sei sprachlich ebenso minimalistisch wie seine Theaterstücke, die den Norweger innerhalb kürzester Zeit zum Shooting Star des europäischen Theaters machten. Monotone Sprachschleifen beschreiben die Erfahrung des Verlassenwerdens, so auch hier in dieser Novelle, in der eine ältere Frau darüber nachsinnt, warum ihr Mann eines Tages auf den Fjord herausgerudert und nie wieder zurückgekehrt ist, so Keel. Fosses Texte mit ihren dunklen Fjord-Bildern und ihrer Zivilisationsferne bedienen in bestimmter Weise das deutsche Bild eines archaischen Norwegen-Idylls, nimmt Keel an, womit sich vielleicht auch die begeisterte Rezeption von Fosses Stücken erklären lasse. Die beschwörende quälende Sprache deckt das Sprachunvermögen der Charaktere zu, meint Keel und vermutet, dass ohnehin das Ungesagte bei Fosse wichtiger ist als das Gesprochene. Fosse ist von der Musik zur Literatur gekommen, weiß der Rezensent und empfiehlt dem Autor Ferien am Fjord, um eine kreative Pause einzulegen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2003

Stephan Opitz ist von dem besonderen Klang dieser Novelle, in der parallel von dem Verschwinden eines Mannes und eines siebenjährigen Jungen auf dem Meer erzählt wird, sehr eingenommen. Während auf gut neunzig Seiten in einem Monolog die Frau des verschwundenen Mannes "in einem Atem" zu Wort kommt, ist erst im letzten Teil die Ururgroßmutter des Jungen zu hören, die die verzweifelten Eltern tröstet, fasst der Rezensent zusammen. Er weist darauf hin, dass Jon Fosse seine Novelle nicht in der norwegischen Schriftsprache Bokmal, sondern im aus verschiedenen Dialekten gebildeten Nynorsk geschrieben hat, das "monotoner und härter" klingt, wie Opitz kenntnisreich zu berichten weiß. Er lobt den Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel dafür, diesen besonderen Ton der Sprache in seiner Übersetzung getroffen zu haben und er schwärmt, dass man sich dem "Sog" des Buches "schwer entziehen" kann.
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