John Keegan

Der Zweite Weltkrieg

Cover: Der Zweite Weltkrieg
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783871345111
Gebunden, 896 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hainer Kober. Nach 1918 glaubten viele, nichts könne dem Ersten Weltkrieg an Leid und Zerstörungskraft gleichkommen. Kaum drei Jahrzehnte später mussten sie feststellen, dass das ein Irrtum war: Nie zuvor sind so viele Menschen - weit mehr als 50 Millionen Soldaten und Zivilisten - getötet, so viele Städte vernichtet und Landstriche verwüstet worden wie im Zweiten Weltkrieg. Als er nach fast sechs Jahren zu Ende ging, hatte sich die politische Weltkarte vollkommen verändert. Welche Ziele verfolgten die einzelnen Kriegsparteien? Wie kam es dazu, dass der Krieg sich über die ganze Welt ausbreiten konnte?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.12.2004

Vor allem über die "verzerrten Proportionen" in John Keegans Geschichte des Zweiten Weltkriegs ärgert sich Rezensent Bernd Wegner. Das vor 15 Jahren erschienene und nun in deutscher Fassung vorgelegte Buch konnte ihn "trotz des flüssigen Stils" weder "faszinieren" noch "anregen". Wenngleich sein methodischer Ansatz - der Zweite Weltkrieg wird nicht chronologisch analysiert, sondern in "thematischen Knoten" abgehandelt - an sich vertretbar sei, verleite dies den Autor jedoch zu einer teilweise "bizarren" Gewichtung der Themen. Da werden der Angriff auf Polen und die Belagerung von Leningrad "beiläufig" abgehandelt, der europäische zu Lasten des pazifischen Kriegs überproportioniert und die sowjetische Kriegsführung "vernachlässigt". Auch die Darstellung - dieser mangle es an "Frische und Originalität" - kann den Kritiker nicht überzeugen. Angesichts der Fülle der Literatur zum Thema muss seiner Ansicht nach ein Autor entweder eine neue "Schneise" in den "Dschungel" der historischen Kriegsdarstellungen schlagen oder Bekanntes unter verändertem Focus neu "ausleuchten". John Keegan wird jedoch weder dem einen noch dem anderen Anspruch "gerecht".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.10.2004

Rolf Wörsdörfer würdigt diese Darstellung des Zweiten Weltkrieges des britischen Autor John Keegan als "lesenswertes" und wichtiges "Standardwerk", findet aber, die jetzt erscheinende deutsche Übersetzung komme mit gut 15-jähriger Verzögerung entschieden zu spät. Zunächst macht der beeindruckte Rezensent deutlich, dass eine Monografie über ein derart komplexes Geschehen wie den Zweiten Weltkrieg einem Autor erhebliches "analytisches Geschick" und zudem "narrative Kompetenz" abverlangt, die er Keegan ohne Abstriche zuerkennt. Dazu habe der Autor die rare Fähigkeit, auch schwierige Zusammenhänge "leserfreundlich" zu erklären, lobt Wörsdörfer. "Geradezu vorbildlich" stellt Keegan das Kriegsgeschehen an den vielen Fronten dar, meint der Rezensent, der aber auch betont, dass Keegans Interesse bei den militärgeschichtlichen Hintergründen liegt, und dabei "sozio-ökonomische" Überlegungen kaum berücksichtigt werden. Die Charakterisierungen der Hauptprotagonisten des Krieges allerdings überzeugen Wörsdörfer nicht im gleichen Maße, die Beschreibung Mussolinis als "Freikorpsführer" beispielsweise findet er verfehlt. Auch hätte er sich "eindeutige Stellungnahmen" zur Besatzungspolitik, insbesondere zu den durch die Wehrmacht begangenen Verbrechen und zu den "Gräueltaten der japanischen Armee in China" gewünscht, die er in dem Band "etwas zu kurz gekommen" sieht. Insgesamt aber hebt der Rezensent die Qualitäten der Darstellung als "verlässlich zusammenfassendes Buch", das auf unverständliche Fachtermini und schockierende Beschreibungen von Kriegsgrausamkeiten weitgehend verzichtet, hervor.

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