John J. Mearsheimer, Stephen M. Walt

Die Israel-Lobby

Wie die amerikanische Außenpolitik beeinflusst wird
Cover: Die Israel-Lobby
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783593383774
Gebunden, 220 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff, Ute Mareik, Dr. Harald Stadler, Claudia Buchholtz und Birgit Lamerz-Beckschäfer. Seit seinem Bestehen wird Israel von den USA und - aus begreiflichen historischen Gründen - Deutschland politisch und wirtschaftlich unterstützt. Doch die uneingeschränkte Solidarität schwindet. Nun brechen zwei Experten mit ihrer Kritik ein Tabu und lösen eine Debatte aus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2008

Detlef Junker verweist in seiner Besprechung auf die hitzige Debatte, die seit mehr als einem Jahr über dieses Buch zum Einfluss israelfreundlicher Interessengruppen in der amerikanischen Politik geführt wird. Die beiden Politikwissenschaftler John Mearsheimer und Stephen Walt vertreten darin die These, dass es nicht im strategischen Interesse der USA liegt, einseitig Israels Regierung zu unterstützen und dabei Konflikte mit allen anderen arabischen Staaten zu riskieren. Ist es antisemitisch, zu behaupten, Israels Existenz sei für die USA strategisch weniger bedeutend als die Sicherung des Ölflusses? Junker will sich nicht auf die Frage einlassen und hält sich auch in den übrigen Punkten mit einer inhaltlichen Bewertung zurück. Er konstatiert allein "empirische und analytische Mängel" und moniert den Verzicht auf Primärquellen, Interviews mit den entsprechenden Politikern und Lobbyisten etwa. Zu dem fragt sich Junker, ob die beiden Autoren nicht die "Israel-Lobby" zu anderen Faktoren in Beziehung hätten setzen müssen - etwa die Saudi-Arabien-Lobby, die Waffen-Lobby und die Öl-Lobby.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007

Betont sachlich nimmt sich Rezensent Ludger Heid dieses Buch von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt über den Einfluss der vermeintlichen Israel-Lobby auf die Außenpolitik der USA vor. Ausführlich berichtet über die hitzige öffentliche Debatte, die das Werk in Amerika ausgelöst hat: Während die einen den Autoren Antisemitismus vorwarfen, hielten die anderen das Buch für überfällig. Heid müht sich, die Angelegenheit differenziert zu betrachten. Dass es in den USA ein Lobby für Israel gibt, die auf materielle wie diplomatische und politische Unterstützung des Lands drängt, hält er für unbestreitbar. Andererseits scheinen ihm die Autoren die Macht dieser Lobby doch gewaltig zu übertreiben. Insbesondere die Behauptung, diese Lobby könnte der US-Regierung ihren Willen aufzwingen und dazu bringen, einen Krieg zu führen, findet er "abenteuerlich".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.09.2007

Spürbar ungehalten ist Rezensent Hanno Loewy angesichts dieses Buches von John Mearsheimer und Stephen Walt über die "Israel-Lobby" und ihren Einfluss auf die Außenpolitik der USA, weil es seiner Ansicht nach eine wirkliche Debatte über das Thema verhindert. Nicht zuletzt durch den provokativen Titel ist es den amerikanischen Autoren gelungen, mit dem zu erwartenden Antisemitismus-Vorwurf vom eigentlichen Reizthema abzulenken, beschwert sich der Rezensent. Die Hauptthese von Mearsheimer und Walt bestehe darin, dass eine "Israel-Lobby" entgegen den wahren Interessen der USA und ohne moralische Legitimation durch ihren Druck dafür sorge, dass die amerikanische Außenpolitik sich auf die Unterstützung einer "aggressiven israelischen Politik" eingeschossen habe, fasst Loewy zusammen. Nicht nur, dass die Autoren statt handfester Belege lediglich Zeitungszitate, Selbstauskünfte von Lobbyisten oder Einschätzungen von Bin Ladens Mutter anführen, ihre Argumente sind zudem erschütternd "naiv", so der Rezensent fassungslos. Das Gerede von arabischen, israelischen oder amerikanischen "Interessen" ist genauso undifferenziert, wie der Begriff der "Israel-Lobby" selbst, argumentiert Loewy, der in seiner eingehenden Kritik seiner Enttäuschung und seinem Ärger über das Buch Luft macht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2007

Für Micha Brumlik entbehrt zwar der Antisemitismusvorwurf, den man dem Buch über die "Israel-Lobby" gemacht hat, jeder Grundlage, dennoch kann er dem Werk nichts Gutes abgewinnen. Für den Rezensenten stellt es ein politisches Streitinstrument im täuschenden Gewand einer seriösen wissenschaftlichen Studie dar, und das findet er schon unlauter. Den dem konservativen amerikanischen Lager zuzurechnenden Sozialwissenschaftlern John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt geht es darum, die "Israel-Lobby" als eine wichtige Bedingung für den Irak-Krieg herauszuarbeiten, nicht zuletzt, um den Präsidenten George W. Bush vor Vorwürfen zu schützen, erklärt der Rezensent. Er kann für die Untermauerung dieser These allerdings keine  Forschungsergebnisse finden, sondern macht lediglich Behauptungen, Gespräche mit Zeitgenossen oder Zeitungsinformationen als Quellen aus. Zudem fehlt dem zunehmend ungehaltenen Rezensenten eine wissenschaftlich reflektierte Begriffsunterscheidung von Macht und Einfluss, was dem Ganzen einen methodisch höchst zweifelhaften Charakter gibt, wie er moniert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.09.2007

Rezensent Christian Hacke verteidigt prinzipiell dieses umstrittene Buch, das nun auf Deutsch erschienen ist, gegen seine Kritiker, die den Autoren Antisemitismus vorwarfen. Denn die beiden Politikwissenschaftler hatten darin einer "Israel-Lobby" in der amerikanischen Politik vorgeworfen, die USA durch ihre Nibelungentreue zu Israel unter anderem zum Terrorziel gemacht zu haben. Der Rezensent findet zwar, dass die "Israel-Lobby" nicht für alle negativen Entwicklungen verantwortlich gemacht werden könne, die ihnen die Autoren auf die Rechnung setzen. Dennoch hofft er, dass das Buch einen nützlichen Tabubruch leistet und die "Israel-Lobby" zu einem Überdenken ihrer Aktivitäten zwingt. Manchmal irritiert der Rezensent allerdings, weil er seine gut gemeinten Einwände gegen manche steile These des Buch begrifflich unscharf formuliert. Dass er zum Beispiel plötzlich von "jüdischer Lobby" spricht, obwohl die "Israel-Lobby" zum Teil auch aus konservativen amerikanischen Christen besteht. Da schleicht sich dann das Ressentiment durch die Hintertür ein.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.09.2007

Immerhin als "gutes schlechtes Buch" will Rezensent Robert Misik dieses Buch zu den heftig diskutierten Thesen der beiden amerikanischen Politologen John J. Mearsheimer und Stephen Walt betrachten, die nachweisen wollen, wie die vermeintliche Israel-Lobby die amerikanische Außenpolitik beeinflusst - zum Schaden der USA und auch Israels. Gut kann Misik das Buch dann finden, wenn es die Mechanismen von Politiksteuerung beschreibt, bei allen übrigen Punkten sieht er allerdings Probleme. Dabei kann es seiner Meinung nach keinen Zweifel daran geben, dass es eine pro-israelische Lobby in den USA gibt, die mit dem American Israel Public Action Committee und der Anti Defamation League politisch und finanziell gut aufgestellt ist. Aber dass die beiden Autoren auch das gesamte rechte Meinungsspektrum der Neokonservativen und der christlichen Rechte dazu zählen, scheint ihm doch ein wenig ausgefranst. Und deren Agenda - Demokratieexport, Krieg gegen Terror, Irak - "monokausal" mit den Wünschen der Israel-Lobby zu erklären, findet er etwas reduziert. Denn natürlich spiele Israels Sicherheit in der Nahostpolitik eine zentrale Rolle, aber nicht die alleinige. Und was die Autoren meinen, wenn sie vom "nationalen Interesse" der USA sprechen, ist ihm auch nicht klar. Zum einen findet er den Begriff eh etwas altmodisch, zum anderen fragt er sich, ob es nicht ein legitimes Interesse sein kann, einen befreundeten Staat, der die eigenen Werte teilt, zu verteidigen, auch wenn er geostrategisch unbedeutend sei.