Johannes Fried

Canossa

Entlarvung einer Legende
Cover: Canossa
Akademie Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783050056838
Gebunden, 181 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Canossa war keine Wende. Canossa führte zu keiner Entzauberung der Welt. Dieses Canossa war ein Mythos, eine Legende. Tatsächlich schlossen Papst Gregor VII. und König Heinrich IV. in Canossa einen Friedensvertrag. Erinnerungsunkritische Kritik wollte diesen Pakt in Zweifel ziehen, als neue Legende voreilig dem Vergessen überantworten. Die vorliegende Streitschrift setzt sich mit dieser Kritik auseinander und zeigt, wie auch die gegenwärtige Geschichtsforschung der Modulationsmacht des Gedächtnisses ausgeliefert ist und damit zu Fehlurteilen führt. Sie verweist auf wesentliche Inhalte und Ziele des Vertrags von Canossa, den wechselseitigen Schutz der Ehre von Papst und König, die angestrebte Konsenserneuerung im Reich der Deutschen, zeigt aber auch sein Scheitern durch die Uneinigkeit der Führungseliten dort und in der Lombardei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2012

Mit Nachdruck möchte Rezensent Michael Borgolte diese von dem Frankfurter Historiker Johannes Fried verfasste Streitschrift über die Vorgänge auf der Burg "Canossa" empfehlen. Dem Deutungsreichtum um den Bußgang König Heinrichs IV. zu Papst Gregor VII. im Jahre 1077 setze Fried eine Faktengeschichte entgegen, die auf der von ihm entwickelten Methode der "Memorik" beruhe. Und so weise der Historiker anhand der ältesten, möglichst "unmittelbaren" und somit nicht durch Erinnerungen verfälschten Zeugnisse nach, dass der König und der Papst nach der Buße und Rekonziliation Heinrichs einen Friedenspakt geschlossen hätten, um gemeinsam die Streitigkeiten im Reich zu überwinden. Der Kritiker lobt nicht nur die "kritische Akribie", mit der Fried die zahlreichen Quellenhinweise überprüfe und teilweise in Frage stelle, sondern ist auch überzeugt, dass nachfolgende Arbeiten an den neuen Erkenntnissen dieser treffenden Argumentation nicht vorbei kommen werden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2012

Der pedantische, verbitterte Ton dieser Streitschrift übertönt am Ende sogar das Lob, das Urs Hafner eigentlich für den Autor und sein Vorhaben übrig hat. Den historischen Gang nach Canossa, die Auseinandersetzung zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII., vermag ihm Johannes Fried nämlich durchaus überzeugend einer Revision zu unterziehen. Quellenfest und mit guten Argumenten, meint Hafner, tritt der Autor auf. Schade nur, dass die Episode und ihr Kontext historisch und philologisch derart komplex sind, dass Hafner eigentlich kaum feststellen kann, ob Fried wirklich richtig liegt, so plausibel ihm die Argumentatuion auch erscheint. Immerhin stellt sich der Autor mit seinem Buch gegen den Forschungsmainstream. Genau hier liegt für Hafner auch das zweite Problem. Die Vehemenz des Vortrags erscheint ihm doch ein wenig übertrieben. Es geht ja vielleicht nicht gleich gegen die gesamte Zunft der Mediävisten, oder?
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