Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Kaum ein Phänomen des Mittelalters ist so bekannt, so reich an Legenden wie die Kreuzzüge. Dass die Idee des Heiligen Krieges sich nicht nur auf die Rückeroberung Jerusalems beschränkte, sondern auch als politisches Instrument diente, um gegen unbotmäßige Christen und andere Gegner des Papsttums vorzugehen, zeigt Jonathan Phillips in seiner neuen, umfassenden Geschichte der Kreuzzüge. Anhand einer Fülle an zeitgenössischen Quellen lässt er die zentralen Figuren dieser Epoche lebendig werden und berichtet von gottesfürchtigen Kriegern, die meist in blutigen Auseinandersetzungen aufeinandertrafen. Nur manchmal gelang es, durch Verhandlungen und friedlichen Austausch beide Kulturen, die muslimische wie die christliche, zu bereichern. Nicht zuletzt zieht Phillips Parallelen zur Gegenwart, in der die Kreuzzugsidee nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder ungeahnte Brisanz erlangt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011
Jonathan Phillips ist zwar nicht der erste Historiker, der die Geschichte der Kreuzzüge hinsichtlich ihrer Nachwirkungen auf heutige Konflikte in den Blick nimmt, aber das Vorhaben gelingt dem britischen Professor für "Crusader Studies" doch "mit größerem Erfolg", schreibt ein in den Bann geschlagener Michael Borgolte. Ja, sogar ein "Haupt- und Meisterwerk" sieht der Rezensent vorliegen, der sich für einen "frischen Blick auf bekannte Sachverhalte" bedankt, die er auf Phillips Einbezug arabischer und einiger, bislang noch nicht ausgewerteter Quellen zurückführt. Die dadurch bedingten Perspektivwechsel lösen, so Borgolte, auch den starren Antagonismus zwischen heutigen Fronten auf, wie der Rezensent anhand der Geschichte der Wiederentdeckung des zuletzt in Damaskus pathetisch geehrten Sultans Saladin schildert: Der war bis zu seiner Ehrung durch Wilhelm II. Unter den Muslimen "längst in Vergessenheit geraten".
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