Johanna Schumm

Witz und Fülle. Oder was heißt barock?

Eine Untersuchung entlang der Schriften Baltasar Graciáns
Cover: Witz und Fülle. Oder was heißt barock?
Konstanz University Press, Göttingen 2024
ISBN 9783835391772
Gebunden, 397 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Der barocke Witz ist von Fülle geprägt und barocke Fülle witzig. Verstanden als das Zusammenspiel von Witz und Fülle heißt barockes Denken Beziehungsdenken, barockes Schreiben konstellatives Schreiben, barockes Handeln situatives Handeln. Ausgehend von den Schriften des spanischen Jesuitenpaters Baltasar Gracián (1601-1658) entwirft Johanna Schumm das Barock als geprägt von einer Geisteskunst, die wesentlich Beziehungskunst ist. Nicht nur die Schriften Sigmund Freuds und Walter Benjamins, sondern etwa auch die Soziologie des Bürolebens bei Niklas Luhmann und die Konzeptkunst Damien Hirsts stehen in dieser verschütteten Tradition barocken Denkens. Das Zusammenspiel von Witz und Fülle entsteht historisch in dem Moment, als der das 15. und 16. Jahrhundert prägende Diskurs der Fülle (insbes. copia) auf den im 17. Jahrhundert zentralen Diskurs des Scharfsinns (insbes. acutezza agudeza) trifft. Witz und Fülle schreitet mit der Behandlung von Werken von Rabelais, Tesauro, Velázquez und anderen nicht nur einen weiten Horizont frühneuzeitlicher Literatur und Malerei ab, sondern belohnt auch mit einer Vielzahl überraschender Einsichten. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2025

Rezensent Niklas Bender hat hier Johanna Schumms überzeugende Arbeit zum Barock vor sich, einer Epoche, bei der sich nicht einmal die Fachwelt einig ist, ob es sie wirklich so gegeben hat. Sie zieht den spanischen Autoren Baltasar Gracián heran, um die Konzepte der Fülle und des Witzes als zentral für barockes Denken zu zeigen. Bei Gracián ist der Witz Teil einer Stillehre und bringt "Entferntes überraschend" in Beziehung zueinander - ausgewählt werden diese Bestandteile aus der Fülle an Worten und Bildern, lernen wir. Das habe stets auch eine politische Dimension, die Schumm in genauer Textlektüre nachvollziehe und schließlich auch anhand eines Erzähltextes nachweise. Bender hätte sich gewünscht, dass sie darüber hinaus nicht nur auf die Malerei, sondern auch auf das Drama verweist und historische Unterschiede besser im Blick behält, aber trotzdem ist das Buch für in "ein Gewinn", wenn es darum geht, barockes Denken zu verstehen.