Jochen Thies

Die Dohnanyis

Eine Familienbiografie
Cover: Die Dohnanyis
Propyläen Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783549071908
Gebunden, 350 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Die Geschichte der Dohnanyis gehört zu den bewegendsten Kapiteln, die es über große deutsche Familien zu erzählen gibt. Familiengeschichte bedeutet in diesem Fall die einzigartige Verknüpfung von Zeitläuften und Lebensläufen, von Mut und Begabung, von politischem Engagement und musikalischem Talent. 125 Jahre und drei Generationen nimmt der Historiker Jochen Thies in den Blick und spannt den Bogen von der k. u. k.-Monarchie über das Berlin des späten Kaiserreichs und der Weimarer Republik, das Dritte Reich und den zweiten Weltkrieg bis hin zur Bundesrepublik unserer Tage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2005

Jochen Thies' Geschichte der "Dohnanyis" unterscheide sich von den gängigen Human Touch-Familiengeschichten, wirbt Norbert Seitz für diese ungewöhnliche Familiengeschichte des Rundfunkjournalisten Jochen Thies, der ein "bewegendes" Porträt der "Weltbürger"-Familie von Dohnayi verfasst hat, das über drei Generationen geht. Eine Familie zwischen Kunst und Politik, fasst Seitz zusammen. Sie beginnt mit Ernst von Dohnanyi, dem Dirigenten und Komponisten aus dem heutigen Bratislava, der in die USA auswanderte, so der Rezensent; sie stelle dann seinen Sohn Hans von Dohnanyi in den Mittelpunkt, einen Juristen, der von den Nazis als Widerstandskämpfer hingerichtet wurde, und beschäftige sich mit dessen beiden Söhnen, dem einstigen Ersten Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohannyi, und dem Dirigenten Christoph von Dohnanyi. Häufig gerieten solche Familienbiografien zu ehrerbietig oder zu wenig informativ, meint Seitz. Thies aber sei eine "abgewogene Familiengeschichte" gelungen, betont er, wenn auch Ernst und Hans von Dohnanyi für seinen Geschmack etwas zu gut wegkommen. Das Verhältnis zu den Brüdern Klaus und Christoph von Dohanyi scheint nicht ganz so einvernehmlich geendet zu haben, berichtet Seitz, denn Klaus von Dohnanyi habe darauf bestanden, das Buch alleine - ohne den Autor - präsentieren zu dürfen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2004

Angetan zeigt sich Rezensent Rainer Blasius von dieser Familiengeschichte der Dohnanyis über drei Generationen, die Jochen Thies hier vorgelegt hat. Im Wesentlichen begnügt er sich freilich damit, das Gelesene nachzuerzählen. Ausführlich berichtet er etwa vom Schicksal Hans von Dohnanyis, der als enger Mitarbeiter des Reichsjustizministers Franz Gürtner den verbrecherischen Charakter des "Dritten Reiches" früh erkannte, belastende Dokumente sammelte, um der NS-Führung nach einem Umsturz den Prozess machen zu können, und sich auch sonst im Widerstand gegen Hitler engagierte. Darüber geriet er schließlich in die Fänge des Regimes und wurde wenige Wochen vor Kriegsende im Konzentrationslager Sachsenhausen hingerichtet. Hier und in den Kapiteln über den Komponisten, Pianisten und Dirigenten Ernst von Dohnanyi laufe Thies zu Hochform auf, erzähle "einfühlsam und packend", lobt Blasius. Thies' Porträt des SPD-Politikers und Großbürgers Klaus von Dohnanyis erscheint ihm dagegen etwas "blass".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.07.2004

Hans Werner Kilz hat diese Biografie von vier Vertretern der Familie Dohnanyi, vom Komponisten Ernst von Dohnanyi über den Widerstandskämpfer im Dritten Reich Hans bis zu dessen Söhnen Klaus und Christoph mit großem Interesse gelesen, einiges hat ihn daran aber durchaus gestört und irritiert. So findet der Rezensent es schlichtweg "unverständlich und auch unbefriedigend", dass der Autor Jochen Thies sich in seiner Familiengeschichte auf die männlichen Familienmitglieder beschränkt und die durchaus einflussreichen und wichtigen Frauen der Familie ignoriert. Ebenfalls für vernachlässigt hält Kilz die Rolle, die der Tod von Hans von Dohnanyi, der im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet wurde, im Leben seiner Söhne spielte. Der Rezensent kann sich zudem vorstellen, dass Klaus und Christoph von Dohnanyi mit einigen Schlussfolgerungen ihres Biografen nicht recht einverstanden waren, den erinnert die Geschichte der Familie nämlich an die Buddenbrooks, die sich durch "permanente Überanstrengung während drei Generationen" schließlich in der "drauf folgenden Generation erschöpft hat".
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