Dieses Buch macht die in der wissenschaftlichen und populären Literatur vielfach zitierte, in ihren Einzelheiten jedoch bisher unbekannte "zytoarchitektonische" Untersuchung des Gehirns Wladimir Iljitsch Lenins zum Gegenstand einer historischen Analyse. Die Untersuchung des Gehirns von Lenin ist mit ihrem bizarren Anspruch, in einer gegebenen weltgeschichtlichen Situation zu politischen Zwecken das materielle Substrat der Genialität einer historischen Persönlichkeit nachweisen zu wollen, ein medizinhistorisch einmaliger Vorgang gewesen. Eben diese Aufgabe übertrug die sowjetische Regierung seinerzeit dem deutschen Hirnforscher Oskar Vogt. Erstmals kann dieses Ereignis nun unter Berücksichtigung seiner politischen Rahmenbedingungen anhand zahlreicher Dokumente aus deutschen und russischen Archiven sowie zeitgenössischen Berichten in der Presse authentisch rekonstruiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2001
Über den durchaus bemerkenswerten Titel des Buches lesen wir nichts bei Sylvia Schütz. Stattdessen gibt sie die "Chronik", die das Buch sein will, in Schlaglichtern wieder, nachdem sie uns Oskar Vogt vorgestellt hat, jenen Hirnanatom aus Deutschland, der einst nach Moskau reiste, um Lenins Hirn zu zerlegen. Überaus spannend findet die Rezensentin die Auseinandersetzung mit Lenins Krankengeschichte (war es die Syphilis?). Fantasieanregend, schreibt sie, sei die Fakten- und Materialsammlung (unveröffentlichte Dokumente!), und über der vom Autor aufgeworfenen Frage, "ob die Untersuchung von Lenins Gehirn als wissenschaftliches Ereignis oder als eine politische Monstrosität zu werten ist", scheint sie richtig ins Grübeln gekommen zu sein.
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