Jochen Hörisch

Die ungeliebte Universität

Rettet die Alma mater!
Cover: Die ungeliebte Universität
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446208056
Kartoniert, 144 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Das Gejammer über die Universitäten nimmt kein Ende - aber warum passiert nichts? Keiner scheint die Universität zu lieben: die Politiker nicht, weil sie Geld kostet, die Professoren nicht, weil das Ideal freier Forschung und Lehre nicht mehr aufrechterhalten wird, und die Studenten nicht, weil sie die angeblich schönsten Jahre ihres Lebens in Wissensfabriken verbringen. Jochen Hörisch plädiert für einen ungewöhnlichen Weg zur Rettung der Universität: weg von Rahmenplänen und Modulen und hin zu mehr Neugier, Experimentierfreude und Leidenschaft zum Lernen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.11.2006

Nicht, dass Jochen Hörischs "ungeliebte Universität" keinen Unterhaltungswert besäße, findet Rezensent Gerd G. Wagner, doch als Porträt der "Alma mater" Universität, ihrer Geschichte und ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung taugt es nur "streckenweise". Das liege schon allein daran, dass Hörisch den größten Teil seines Buches damit zubringt, eine Art "germanistische Vorlesung" zu halten, deren Relevanz für die eigentliche Hochschulproblematik dem Rezensenten nicht ersichtlich wird. Wenn Hörisch sich dann expliziter dem Kernproblem zuwendet, nimmt seine Darstellung laut Wagner eindeutigen "Lamento"-Charakter an und lässt die Bedeutung des Bologna-Prozesses, der Drittmittel und der Exzellenz-Initiative völlig unbeachtet. Zudem werde die Widersprüchlickeit und damit Unmöglichkeit von Hörischs Universitäts-Vision deutlich: eine Massenuniversität nämlich, die ihren unzähligen - und wie Hörisch verkenne, nicht unbedingt forschungsgeneigten - Studenten jenen Ort des Forschens bietet, den vor 200 Jahren das Humboldtsche Universitätsmodell vorsah und umsetzte - wohlgemerkt für eine sehr übersichtliche Anzahl von Studenten. Und so lautet das Fazit des Rezensenten: Aus diesem Buch kann man für die "Rettung der deutschen Universität" nur wenig lernen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.09.2006

Rezensent Jens Bisky verteidigt die überaus "ideenreiche" Streitschrift gegen Stimmen aus der Kritik. Wer die geistreiche Weitschweifigkeit und den erzählerischen Ton von Jochen Hörisch als unseriös ansehe, verkenne gerade das Wesentliche. Schon in der Form "inszeniere" Hörisch das, was er für die Universität zurückerobern wolle, das Gespräch. Diese unzeitgemäße Kulturtechnik, stimmt der Rezensent dem Autor zu, sei seit Sokrates dank Vorlesung und Seminar die Grundlage der Universität. Moderne Techniken bedrohten diese Kommunikation nun mehr und mehr. In einem zentralen Punkt erhebt der Rezensent jedoch Einspruch. Der erhöhte Frauenanteil in der Universität und damit die Auflösung des männerbündlerischen quasierotischen Wissenszirkels sei wohl der letzte Grund für die heutige Misere. Der Autor verkenne hier, dass noch vor der Gründung der Berliner Universität öffentliche Vorträge ohne Frauen als Publikum und Gesprächspartner kaum denkbar gewesen wäre. Wenn Hörisch die alte Universität nun zurückverlange, so der Rezensent, sei dies so durch und durch romantisch wie Humboldts Intention selbst.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2006

Das ist schlimm. Wenn ein Buch laut Rezensent nur vier wertvolle Seiten hat. Immerhin stimmt aber der Befund: Die Uni ist kein Liebesobjekt. Dass es einmal anders war, wie Jochen Hörisch in diesem Buch behauptet, will Jürgen Kaube auf keinen Fall glauben. Eher vermutet er beim Autor eine starke Affinität zu Märchen. Und dann die Begründung für den angeblichen Verfall! Die Frauen sind Schuld und der Apparat, der die Muße und die Muse killt. Wirklich? Den berchtigten Ärger mit den Frauenbeauftragten der Unis sieht Kaube schon kommen. Schlimmer erscheint ihm, dass das tatsächliche Problem (die "Verkommenheit der Lehre") hier fast gar nicht behandelt wird. Einige wenige brauchbare Reformvorschläge findet der Rezensent nur auf den erwähnten vier Seiten (130-134).

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2006

Jochen Hörisch kombiniere "Pathos" mit Pragmatik, Understatement mit nicht ganz schlechten Ideen, lobt Rezensent Uwe Justus Wenzel. Pathos, wenn es um die Bestandsaufnahme des aktuellen Missstandes bei den Universitäten gehe, Pragmatik bei der Medikationsliste für dieselben. Der Gremienprofessor, skizziert der Rezensent das Kernstück von Hörisch's Analyse, habe sich innerhalb der jüngsten Universitätsgeschichte leider durchsetzen können. Er habe weder Zeit für die Studenten noch für die Lehre und sich obendrein dank immer mächtigerer Kommissionen gewissermaßen selbst abgeschafft. Gegen Bürokratie und Gremien favorisiere Hörisch die persönliche Begegnung zwischen den Dozenten einerseits und Tutoren und Studenten andererseits. Gemeinsame Essen machten viele Gremiensitzungen einfach überflüssig und natürlich, sollten Professoren, wenn es nach Jochen Hörisch gehe, auch ihren Wohnort in der Stadt der Universität haben. "Locker gestrickt" sei dieser Essay, meint der Rezensent, aber nichtsdestotrotz nicht ganz ohne.