Joan Didion

Notizen für John

Cover: Notizen für John
Ullstein Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783550204388
Gebunden, 256 Seiten, 23,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Antje Ravik Strubel. Im November 1999 begann Joan Didion, einen Psychiater aufzusuchen, weil ihre Familie, wie sie einem Freund schrieb, "ein paar harte Jahre" hinter sich hatte. Die wöchentlichen Sitzungen notierte sie in einem Tagebuch, das sie für ihren Ehemann John Gregory Dunne anlegte. Ihre Gedanken und Gespräche kreisen um das herzzereißend komplexe Verhältnis zu ihrer Tochter Quintana, um die Alkoholsucht ihrer Tochter, um die Prägungen durch ihre Kernfamilie, ihr literarisches Schaffen und nicht weniger als die Frage nach ihrem Vermächtnis, oder, wie Didion sagte, "was es wert gewesen ist." In Zeilen für John erforscht Joan Didion mit der für ihr Werk typischen Aufrichtigkeit, Präzision und Klarheit ihr Vermächtnis. Sie hinterlässt eine unvergleichlich intime und ehrliche Betrachtung der Elternschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2026

Es ist immer schwierig, wenn höchst private Texte von Autorinnen und Autoren nach deren Tod veröffentlicht werden, hält Rezensentin Emilia Kröger zunächst fest, aber Joan Didion hat immer auch ihr Leben zum Thema ihres Werkes gemacht. In diesem Band finden sich Notate von psychotherapeutischen Sitzungen, in denen Didion unter anderem versucht hat, mit dem komplizierten Verhältnis zu ihrer Tochter Quintana zurechtzukommen, erfahren wir. Sie habe sich zu viel um die Tochter gesorgt, die daraufhin wenig eigene Verantwortung für sich habe übernehmen können und alkoholabhängig und depressiv geworden sei, was wiederum auch bei der Autorin eine Depression ausgelöst habe. Auch von Fragen um das eigene Vermächtnis und die Sprache liest Kröger, für die dieser postum veröffentlichte und von Antje Ravix Strubel exzellent ins Deutsche übertragene Band nicht nur eine aufschlussreiche Ergänzung zum Werk Didions, sondern auch einen gnadenlosen Blick in deren Abgründe darstellt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.12.2025

Joan Didion hat drei Jahre lang die Gespräche mit ihrem Psychotherapeuten protokolliert, erklärt Tanya Lieske: Es geht um die Beziehung zu ihrem Mann John, aber besonders um die suchterkrankte Tochter Quintana, auch Kindheitserfahrungen Didions spielen eine Rolle. Der Ton ist gewohnt lakonisch, so Lieske, Antje Ravik Strubel hat elegant übersetzt, die Leserinnen erhalten hier einen Blick ins intimste Privatleben. Dass das nicht allen gefällt, ist der Kritikerin durchaus klar, für sie überwiegen aber die Vorteile, nicht nur für die Literaturwissenschaft, die sich mit Didions Werk auseinandersetzt und hier eine Art Metakommentar erhält. 

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