Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2001
Den Titel findet der Rezensent Rolf Lamprecht gelinde gesagt etwas übertrieben: Nur der Hauptessay des Bandes leiste jene "tiefgründige Psychoanalyse" der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die der Titel eigentlich erwarten lasse. Bei den anderen Texten vermutet Lamprecht, dass Jessen seine Feuilletons aus "Zeit" und "Berliner Zeitung" einfach noch mal neu herausbringen wollte. Um des Hauptessays willen aber findet Lamprecht den Band lesenswert. In seiner Kritik belässt er es dabei mit einem mehr oder weniger wohlwollenden Referat der Thesen Jessens. Als zentrale Lebenslüge macht er in Jessens Diagnose eine auf komplizierte Art und Weise verdrängte Nazivergangenheit aus. Versteht man Lamprecht richtig, so sieht Jessen diese Verdrängung gerade in einer allgemein akzeptierten Kollektivschuldthese verwirklicht. Hieraus scheinen sich weitere Lebenslügen abzuleiten, etwa die Konsumorientierung der deutschen Gesellschaft oder das Leistungsprinzip, ohne dass ihr logischer Zusammenhang mit der zentralen Vergangenheitslüge in Lamprechts Kritik völlig ersichtlich wird.
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