Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2001
Den Titel findet der Rezensent Rolf Lamprecht gelinde gesagt etwas übertrieben: Nur der Hauptessay des Bandes leiste jene "tiefgründige Psychoanalyse" der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die der Titel eigentlich erwarten lasse. Bei den anderen Texten vermutet Lamprecht, dass Jessen seine Feuilletons aus "Zeit" und "Berliner Zeitung" einfach noch mal neu herausbringen wollte. Um des Hauptessays willen aber findet Lamprecht den Band lesenswert. In seiner Kritik belässt er es dabei mit einem mehr oder weniger wohlwollenden Referat der Thesen Jessens. Als zentrale Lebenslüge macht er in Jessens Diagnose eine auf komplizierte Art und Weise verdrängte Nazivergangenheit aus. Versteht man Lamprecht richtig, so sieht Jessen diese Verdrängung gerade in einer allgemein akzeptierten Kollektivschuldthese verwirklicht. Hieraus scheinen sich weitere Lebenslügen abzuleiten, etwa die Konsumorientierung der deutschen Gesellschaft oder das Leistungsprinzip, ohne dass ihr logischer Zusammenhang mit der zentralen Vergangenheitslüge in Lamprechts Kritik völlig ersichtlich wird.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…