Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit lauteten seit der Französischen Revolution von 1789 die drei Begriffe, aus denen sich die Grundwerte moderner Gesellschaften herleiten. In Freiheit finden sich Unterbegriffe wie Toleranz, Sicherheit und Verantwortung. Gleichheit hat sich in Gerechtigkeit verwandelt, während Brüderlichkeit heute vor allem als Solidarität verstanden wird. Diese Begriffe haben jedoch unter anderem auch deshalb an Bedeutung verloren, weil sie häufig oberflächlich, mit vordergründigem politischen Interesse wie ein tibetanisches Mantra wiederholt, immer weniger in ethischem Sinn verwendet worden sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2004
In die populistische Ecke sieht Gustav Falke den Fernsehmoderator Ulrich Wickert mit diesem Buch abgerutscht, das dessen Mercator-Vorlesungen an der Universität Duisburg zusammenfasst. Zu Falkes Enstetzen beklagt Wickert nicht nur schwindendes Unrechtsbewusstseins ("Der Ehrliche ist der Dumme"), sondern macht dafür den Verlust eines deutschen Gemeinschaftsgefühls verantwortlich. Am schlimmsten aber ist für den Rezensenten, dass Wickert das Recht zum "Feind der Moral" macht. Vergeblich hat er nach einem Satz gesucht, in dem der "staatliche Schutz der individuellen Freiheit als Gewinn" verteidigt wird. Stattdessen hat er den Gedanken gefunden, dass Auschwitz nicht nur eine sachgemäße Debatte über die Gentechnologie verhindere, sondern auch, dass die Deutschen über die Entwicklung ihrer Gemeinschaft nachdächten. Befremdlich erscheint ihm auch ein Satz wie dieser: "Während manch ein deutscher Bedürftiger sich schämt, zum Sozialamt zu gehen, kennen viele Ausländer alle Schliche und Wege". So bleibt Falke nur, dem Autor "fehlendes Bewusstsein von der Natur des Rechts" zu bescheinigen.
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