John C. G. Röhl

Wilhelm II.

Der Aufbau der Persönlichen Monarchie 1888-1900
Cover: Wilhelm II.
C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406482298
Gebunden, 1427 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Der Band schildert jene entscheidende Phase der Herrschaft, die als Aufbau der Persönlichen Monarchie bezeichnet wird. Kennzeichen dieser Regierungsphase sind Bismarck-Krise und Kanzlersturz, außenpolitische Inkompetenz und Caesarenwahn, Flottenbauprogramm und beginnende internationale Isolierung, aber auch innerfamiliäre Tyrannei und eine massiv antidemokratische Grundhaltung. Wilhelm II. war in seiner persönlichen Machtfülle - die bislang von den Historikern verkannt wurde - für Deutschland und Europa in fataler Weise geschichtsmächtig. John Röhl beschreibt, wie Wilhelm bereits unmittelbar nach der Thronbesteigung seine von jeder Sachkenntnis ungetrübte Außenpolitik aufnahm, deren Leitlinie allein der narzißtische Charakter des jungen Herrschers war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001

Eine überaus positiv endende Auseinandersetzung mit diesem zweiten Teil der Biografie des letzten deutschen Kaisers von C. G. Röhl ist die Rezension von Wilhelm von Sternburg. Der britische Historiker habe hiermit eine "Standardbiografie" zu Wilhelm II. vorgelegt. Im Gegensatz zu anderen Historikern, die dem Kaiser nicht sonderlich viel Bedeutung beigemessen haben, trete Röhl den Beweis an, dass sich der junge Kaiser "rücksichtslos zum Alleinherrscher über Deutschland" gemacht hatte und somit auch nicht vernachlässigt werden dürfe. Der einzige Kritikpunk des Rezensenten ist die den Leser teilweise überfordernde Flut von Quellen und Details, die aber dennoch der großen Bedeutung, die er diesem Werk beimisst, keinerlei Abbruch tut.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001

Nach dem 1. Band der Biographie Wilhelms II. (erschienen 1993) hat der deutsch-britische Historiker John C.G. Röhl nun den zweiten vorgelegt. Johannes Willms vermutet aufgrund des Umfangs der ersten beiden Bände, dass noch drei folgen werden. Warum hat der Autor das Werk so groß angelegt? Wilhelm II. sei eine "Schlüsselfigur der neueren deutschen Geschichte auf ihrem fatalen Weg von Bismarck zu Hitler". Der Rezensent prognostiziert, dass in Röhls Arbeit die "längst fällige, umfassende Revision des preußisch-deutschen Geschichtsbildes der Epoche vor 1815 bis 1933 im Allgemeinen und der Ära Bismarcks und Wilhelms II. im Besonderen ... tatsächlich in Angriff genommen wird." Stärke und Schwäche der Arbeit ist für Willms die Menge der von Röhl gesichteten und bearbeiteten Archivmaterialien: diplomatische Korrespondenz, Briefe der Kaiserin Friedrich, Tagebücher des Generalstabschefs Waldersee, aber auch seitenlange Lobhudeleien der Wilhelm-Verehrer. Leider treffe der Autor so gut wie keine kritischen Synthesen und werte kaum. Auf die umfangreiche Sammlung unverfälschter und ungeschönter Originalquellen würden sich allerdings künftige Forscher stützen können.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2001

Nun liegt der zweite Band des englischen Historikers Röhl über Wilhelm II. vor, der, wie der Rezensent Werner van Bebber meint, eine minutiöse Studie über dessen durchaus komplizierten Charakter vorlegt. Der Autor betrachte den Werdegang des Kaisers aus allen möglichen Perspektiven und trägt dabei kein besonders positives Bild vor. Dennoch befindet Bebber, dass der Biograf manchmal gut daran getan hätte, das Gesichtsfeld dieser Studie ein wenig zu erweitern, denn schließlich handle es sich nicht immer um ein rein menschliches Versagen des Monarachen, sondern auch manchmal um das einer Institution. Bei einer mehrbändigen Biografie, deren zweiter Teil allein schon über 1400 Seiten umfasst, kann man wohl Bebber recht geben, wenn er am Ende der Besprechung fragt, ob der geneigte Leser, es denn so genau wissen will.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Wilhelm II. war einer der großen Unheilstifter in der deutschen Geschichte, darüber sind sich Historiker einig, auch wenn es hier und da Versuche gibt, das Image des letzten Hohenzollern-Herrschers aufzuwerten, schreibt Volker Ullrich im Aufmacher des Sachbuchteils der Zeit-Literaturbeilage. Der zweite Teil der Biografie (der erste Teil über die Jugendjahre des Kaisers erschien vor acht Jahren) des britischen Historikers John C. G. Röhl manifestiert einmal mehr diese Überzeugung, ist sich der Rezensent sicher. Röhl habe eine umfangreiche, kundige und literarisch anspruchsvolle Biografie geschrieben, lobt der Rezensent, weist aber darauf hin, dass es sich hier um ein Mammutunternehmen handelt, denn die fast 1400 Seiten des zweiten Teils enden mit dem Jahr 1900, mindestens ein dritter Teil wird noch folgen. Das Werk hat für den Rezensenten einen "immensen Wert" für die Geschichtsforschung. Was Röhl hier zutage befördert, hat Ullrich schwer imponiert. Und doch übt er auch Kritik: So akribisch der Autor auf die Person Wilhelm II. eingehe, so sehr vernachlässige er den zeitlichen Kontext. Eine politische Biografie, bemängelt der Rezensent, sollte aber stets beide Aspekte im umfassen.