Aus dem Französischen von Anke Beck. Jean-Claude Kaufmann provoziert "Selbstfindungsgetriebene" mit der These, dass es gar kein klar definierbares Ich geben kann: Niemals und selbst nach noch so intensiven Bemühungen haben wir ein unveränderliches "wahres" Selbst in uns. Stattdessen weist unsere Identität unendlich viele Facetten auf und wandelt sich ständig, ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Dabei erfinden wir uns permanent selbst und sind in unseren Veränderungen stark durch unsere soziale Herkunft und unser Umfeld beeinflusst. Jean-Claude Kaufmann erklärt, warum und wie wir uns verändern. Dabei konzentriert sich der französische Klassiker populärer Soziologie auf ganz präzise Momente: Auf die, in denen Ich ein anderer wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.06.2010
Alle Selbstfindungswilligen auf der Suche nach "innerer Geborgenheit" muss Harry Nutt enttäuschen: Bei der Lektüre von Jean-Claude Kaufmanns "Wenn ICH ein anderer ist" musste der Rezensent feststellen, dass Identität nur ein "unbeständiges Provisorium" ist und das Individuum immer neue Kämpfe ausfechten muss. Im dritten Band seiner identitätstheoretischen Untersuchung habe der Autor allerdings mit Darstellungslust und Materialreichtum eine "wirklichkeitsgesättigte Soziologie" geschaffen, die ihresgleichen suche, freut sich der Rezensent. Er findet zwar keine Therapievorschläge zur Ausbildung eines kohärenten Ichs, dafür aber mit "stilistischer Leichtigkeit" souverän vorgetragenes Wissen.
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