In diesem Dialog mit einer literarischen Figur, dem Ehemann der "Madame Bovary" von Flaubert, geht es Amery um die soziale und ästhetische Ehrenrettung des verkannten Individuums, des bürgerlichen Subjekts. Es ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Sartres Flaubert-Interpretation, wie sie in dem Monumentalwerk "Der Idiot der Familie" entwickelt wird - ja mehr noch: Es ist der Versuch der endgültigen Loslösung vom bewunderten intellektuellen Vorbild. Diese Zusammenhänge, die ins Zentrum des philosophischen und ästhetischen Denkens von Amery führen, werden in diesem Band erstmals eingehend dargestellt. Texte zu Sartre und Flaubert begleiten den Anmerkungsteil. Deutlich wird, welch hohen Anspruch Amery mit diesem Buch (und seinem öffentlichen Erfolg) verband und welchen Stellenwert es für Amery als literarischen Autor hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.11.2006
Als "Glücksfall" begrüßt Lothar Müller Jean Amerys im Rahmen einer Werkausgabe wieder veröffentlichte erzählerische und essayistische Verteidigung Charles Bovarys gegen dessen Autor Gustave Flaubert. Erstmals 1978 als letztes Buch vor Amerys Selbstmord erschienen, stieß der imaginäre Prozess Bovarys gegen Flaubert damals, wie Müller berichtet, auf Unverständnis. Zu maßlos erschien die Leidenschaft, mit der Amery Charles Bovary ausgestattet hatte, damit dieser Flaubert anklagen und als existentialistischer "Mensch in der Revolte" gegen das ihm zugeschriebene Schicksal seine Menschenrechte einfordern konnte. "Erhellend" findet Müller, dass die Herausgeber diesen imaginären Prozess mit Amerys Essays über Sartre und Flaubert kombiniert haben. So werde Sartre nicht nur als Ideengeber für Bovarys Revolte erkennbar, diese stellt sich auch als eine Auseinandersetzung mit Sartres Flaubertstudie dar.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…