Europas Sicherheit steht auf dem Spiel. Russland tritt offen revisionistisch auf, sucht den antiwestlichen Schulterschluss mit China - und es ist mehr als unsicher, ob die Schutzmacht USA ihren Bündnisverpflichtungen im Fall eines Angriffs auf NATO-Gebiet nachkommen würde. Sicher ist nur: Europa könnte sich, Stand heute, kaum selbst verteidigen. Jana Puglierin zeigt ausgehend von Szenarien für konventionelle, hybride und atomare Kriegsführung, was jetzt geschehen muss, damit die Länder Europas ihre Bürger schützen können. Welche Fähigkeiten, welche Technologien, welche Armeen werden benötigt? Braucht Deutschland, dem dabei eine zentrale Rolle zufällt, eigene Atomwaffen, oder könnte ein europäischer Nuklearschirm Abschreckung garantieren? Wie lässt sich die zivile Verteidigung stärken, wenn Angriffe längst auch aus dem Cyberraum, durch Desinformation oder Sabotage von kritischer Infrastruktur erfolgen?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.04.2026
Einen wichtigen Warnruf vernimmt Rezensent Thomas Speckmann bei der Lektüre dieses Buches. Die Politologin Jana Puglierin weist darauf hin, dass es um die Verteidigungsfähigkeit Europas nicht gut bestellt ist - in Zeiten, in denen auf den Schutz durch die USA immer weniger Verlass ist. Probleme gibt es laut Puglierin gleich in mehreren Bereichen, bei den militärischen Fähigkeiten selbst, beim Umfang der eigenen Rüstungsindustrie und was die Einsatzbereitschaft angeht - tendenziell fehlt es eher an taktischen Fähigkeiten als an Gerät. Ein Land alleine kann dies, da ist sich Puglierin sicher, nicht stemmen, deshalb ist europäische Zusammenarbeit gefordert. Einfach wird das allerdings nicht, erst recht nicht, sollten bald in Deutschland, Großbritannien und Frankreich Rechtspopulisten regieren oder auch nur die Regierungspolitik blockieren, liest der Rezensent. Dennoch gibt es zur Zusammenarbeit keine Alternative, wobei komplette Unabhängigkeit von Amerika, das zeigen auch aktuelle Beispiele von multinationalen Rüstungsinitiativen, vorläufig noch unrealistisch ist. Bange werden kann einem durchaus beim Lesen dieses Buches, meint Speckmann, der sich von der Autorin von der Dringlichkeit einer besseren europäischen Sicherheitspolitik überzeugen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2026
Dass die vergleichsweise friedliche Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges eine Ausnahme war, wird dem Rezensenten und Historiker Florian Keisinger spätestens bei der Lektüre des neuen Buches von Jana Puglierin klar. Sie ist Politikwissenschaftlerin und Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations, erfahren wir, in ihrem Buch skizziert sie zunächst einmal den wenig erfreulichen Status Quo Europas mit mangelnden militärischen Kapazitäten und "Überabhängigkeit" von den USA. Auch die Bedrohung durch Russland und China rät sie, nicht zu unterschätzen, dabei lobt Keisinger die nüchterne Darstellung und die Transparenz der Quellen. Besonders wichtig ist ihm das letzte Kapitel: Darin geht es darum, wie sich Europa aus der Beziehung zu den USA befreien kann, ein Unterfangen, das signifikant verbesserte Infrastrukturen und vor allem europäischen Zusammenhalt benötigt. Ein überzeugendes, klares Buch, so sein Resümee.
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