Jan Philipp Reemtsma

Lessing in Hamburg

1766 - 1770
Cover: Lessing in Hamburg
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406556951
Kartoniert, 109 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Jan Philipp Reemtsma über Lessing: "Er kam in Begleitung einer der aufregendsten Frauen, die je eine Bühne betreten haben,und sie machte auch entsprechend Furore". In Hamburg noch nicht so sehr, aber dann in Berlin und überall: Minna von Barnhelm. Als er abreiste, hatte er die Liebe seines Lebens kennengelernt. Dazwischen liegen drei Jahre, liegen Bekanntschaften, enttäuschte Hoffnungen am Theater, eine Pleite, unausgeführte Entwürfe für einige Theaterstücke, ein publizistischer Krieg, zwei Bücher, die wir nicht ungelesen lassen können, wenn wir die Frage beantworten wollen: Was ist Aufklärung?"

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.02.2009

Geradezu fulminant findet Rezensent Adam Soboczynsi diesen schmalen Band über Lessing, der ihn besonders mit einer Funktionsanalyse der Lessing'schen Polemiken begeistert hat. Wie Jan Philipp Reemtsma hier die Doppelgesichtigkeit des Philanthropen, der "schreibend zum Ungeheuer werden konnte", schildert, ohne moralisch zu urteilen, sondern stattdessen das schreibende Streiten als Eintreten in einen Aufklärungsprozess beschreibt, sucht nach Ansicht Soboczynskis seinesgleichen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.06.2007

Einen klugen Blick auf Lessings "intellektuelle Physiognomie" findet Rezensent Lothar Müller in diesen Buch von Jan Philipp Reemtsma. Dass es keineswegs auf Vollständigkeit aus ist, sondern sich die Freiheiten des Essays heraus nimmt, betrachtet Müller dabei keineswegs als einen Nachteil. Er lobt Reemtsmas Souveränität der Schilderung, seinen teils unterkühlten Ton und den Verzicht auf jegliche Lobhudelei. Lessing wird für ihn verständlich als ein überaus facettenreicher, intelligenter und polemischer Autor, als ein Autor , bei dem die deutsche Literatur zum ersten Mal gelernt habe, "Ich" zu sagen. Besonders hebt Müller die Auseinandersetzung mit dem moralphilosophischen Gehalt der "Hamburgischen Dramaturgie" hervor, in der Reemtsma eine "anthropologisch begründete Theorie der Emotionen", das "Projekt der Selbstzivilisierung des Bürgertums" finde.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2007

Einfach "brillant" findet Rezensent Manfred Koch diesen Lessing-Essay von Jan-Philipp Reemtsma, der ihn mit seiner präzisen und eigenen Lessing-Lesart zutiefst beeindruckt hat. Reemtsma skizziert den Informationen des Rezensenten zufolge in seinem Text "mit wenigen Strichen", wie aus dem Misserfolg von Gotthold Ephraims Lessings Hamburger Theateraktivitäten mit der "Hamburgischen Dramaturgie" ein "verwirrend buntscheckiges" und doch zentrales Werk der Aufklärung entstand. Reemtsma kann den Rezensenten auch mit der Stringenz beeindrucken, wie er Lessings Weg von seinen eigenen Dramen zu der in der "Hamburgischen Dramaturgie" entwickelten Art der "theatralischen education sentimentale" nachvollzieht, die sich von der Sensibilisierung des Einzelnen durch das Unglück der Bühnenfiguren Einfühlung und verständigungsbereites Miteinander erhoffte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2007

Voll des Lobs ist Christian Geyer für Jan Philipp Reemtsmas kurze Abhandlung über "Lessing in Hamburg". Die Hamburger Jahre des Aufklärers scheinen ihm allerdings nur vordergründig Thema des "charmantem, ebenso behende wie faktenreich erzählten" Buchs zu sein. Reemtsmas eigentliche Absicht sieht Geyer vielmehr darin, dem Leser Lessing als Moralphilosoph und Polemiker näher zu bringen. So attestiert er dem Buch, unter der Führung des genialen Polemikers Lessings klug in die Kunst der Polemik einzuführen. Reemtsmas Ausführungen verdeutlichen für ihn dabei auch den philosophischen, erkenntnisfördernden Aspekt von Polemik, die, indem sie persönlich werde, den Kern der Sache treffe. Dabei lernt Geyer, dass es bei der Polemik keine halben Sachen gibt: "Entweder sie sitzt und vernichtet", unterstreicht er. "Oder sie sitzt nicht und denunziert nur."
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