Aus dem Englischen von Sonja Schuhmacher und Claus Varrelmann. Er versüßt unser Leben, macht kurzfristig glücklich, doch sein Nachgeschmack ist bitter: Zucker ist weit problematischer, als die Werbetafeln der Softdrink-Hersteller vermuten lassen - und das nicht nur wegen der gesundheitlichen Probleme, die sein übermäßiger Konsum hervorruft.Was früher Königen und Fürsten vorbehalten war, ist heute aus unserer Ernährung kaum noch wegzudenken. Um zu verstehen, wie der Stoff unseren Alltag so vollkommen erobern konnte, blickt James Walvin in die Vergangenheit - und präsentiert eine Geschichte von Macht und Versuchung, von Sklaverei und Umweltproblemen, aber auch von Zivilisationskrankheiten wie Adipositas und Karies.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2020
Der britische Historiker James Walvin stützt seine Geschichte des Zuckers in weiten Teilen der bahnbrechenden Studie "Die süße Macht" des amerikanischen Anthropologen Sidney Mintz, weiß Rezensent Thomas Weber. Doch während Mintz in seiner Arbeit anspruchsvoll Wirtschafts-, Global- und Kulturgeschichte vereinte, indem er zeigte, wie das Plantagensystem in der Karibik den Zucker in Europa verfügbar machte und damit die Energie für die Industrialisierung lieferte, zielt Walvin mit prägnanter Erzählung auf ein größeres Publikum. Das geht für den Rezensenten in Ordnung, allerdings im zweiten Teil, wenn es um den übermäßigen Zuckerkonsum geht, um Fettleibigkeit und die damit verbundenen Erkrankungen, hätte er sich gewünscht, Walvin hätte das fatale Zusammenspiel von Industrie, Landwirtschaft und Politik ähnlich scharf analysiert wie es einst Sarah Milov mit ihrer Studie zur Tabakindustrie vorgemacht hat.
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