James Surowiecki

Die Weisheit der vielen

Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können
Cover: Die Weisheit der vielen
C. Bertelsmann Verlag, München 2005
ISBN 9783570006870
Gebunden, 384 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Gerhard Beckmann. James Surowiecki weist die Weisheit der Vielen und die Überlegenheit kollektiver Intelligenz nach anhand einer Vielzahl von Fallbeispielen aus Alltag, Familie, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Ganz gleich, ob es sich um die Schätzung des Gewichts eines Ochsen, um die Suche nach einem vermissten U-Boot oder die Isolierung des SARS-Erregers geht, Gruppen finden die effektivere Lösung eines Problems. Für die Aufgaben der Gesellschaft der Zukunft sind Experten und (Meinungs-)Führer eher das Auslaufmodell. James Surowiecki belegt die Weitsicht, Intelligenz und Effektivität großer Gruppen und macht einsichtig, dass und warum ganz normale Leute in der Lage sind, sich in einer Gemeinschaft erfolgreich zu organisieren und sich selbst zu verwalten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2006

Hans Bernhard Schmid muss zugegeben, dass James Surowiecki, Kolumnist beim "New Yorker" erzählen kann. Nie sei er um eine amüsante Anekdote verlegen, immer schreibe er ausgesprochen unterhaltsam. Trotzdem fehlte dem Rezensenten bei diesem Buch die Substanz. Im Kern geht es um die erstaunliche Tatsache, dass mehr Menschen schlauer sind als wenige (und nicht, wie Heiner Müller einst glaubte, zehn Deutsche dümmer sind als fünf Deutsche). Dies habe die Quizshow "Wer wird Millionär" bewiesen, bei der die Kandidaten immer besser gefahren sind, wenn sie das Publikum statt eines in einzelnen Bewanderten um Rat fragten. Denn die Irrtümer oder falschen Einschätzungen neutralisieren sich gegenseitig, weil sie sich auf mehrere falsche Antworten verteilen. Doch Schmid sieht hier Probleme: Zum einen sieht er hier er Marktmechanismen walten, bei denen die Summe verschiedener Meinungen als Wahrheit gehandelt werde. Zum anderen wirft er Surowiecki vor, "Masse" und "Menge" sehr unklar voneinander abzugrenzen (Schmid übersetzt den englischen Originaltitel "Wisdom of Crowds" als "Masse") und dabei einem unreflektierten Individualismus das Wort zu reden. Denn da Surowiecki zugleich jegliches Gruppendenken und Konformitätsdruck ablehnt, predigt er im Grunde ein Individuum, das nicht mit anderen kommunizieren darf. Alles in allem meint Schmid, dass hier eine statistische Trivialität zu einem Buch aufgeblasen werde.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…