Aus dem Amerikanischen von Gerhard Beckmann. James Surowiecki weist die Weisheit der Vielen und die Überlegenheit kollektiver Intelligenz nach anhand einer Vielzahl von Fallbeispielen aus Alltag, Familie, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Ganz gleich, ob es sich um die Schätzung des Gewichts eines Ochsen, um die Suche nach einem vermissten U-Boot oder die Isolierung des SARS-Erregers geht, Gruppen finden die effektivere Lösung eines Problems. Für die Aufgaben der Gesellschaft der Zukunft sind Experten und (Meinungs-)Führer eher das Auslaufmodell. James Surowiecki belegt die Weitsicht, Intelligenz und Effektivität großer Gruppen und macht einsichtig, dass und warum ganz normale Leute in der Lage sind, sich in einer Gemeinschaft erfolgreich zu organisieren und sich selbst zu verwalten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2006
Hans Bernhard Schmid muss zugegeben, dass James Surowiecki, Kolumnist beim "New Yorker" erzählen kann. Nie sei er um eine amüsante Anekdote verlegen, immer schreibe er ausgesprochen unterhaltsam. Trotzdem fehlte dem Rezensenten bei diesem Buch die Substanz. Im Kern geht es um die erstaunliche Tatsache, dass mehr Menschen schlauer sind als wenige (und nicht, wie Heiner Müller einst glaubte, zehn Deutsche dümmer sind als fünf Deutsche). Dies habe die Quizshow "Wer wird Millionär" bewiesen, bei der die Kandidaten immer besser gefahren sind, wenn sie das Publikum statt eines in einzelnen Bewanderten um Rat fragten. Denn die Irrtümer oder falschen Einschätzungen neutralisieren sich gegenseitig, weil sie sich auf mehrere falsche Antworten verteilen. Doch Schmid sieht hier Probleme: Zum einen sieht er hier er Marktmechanismen walten, bei denen die Summe verschiedener Meinungen als Wahrheit gehandelt werde. Zum anderen wirft er Surowiecki vor, "Masse" und "Menge" sehr unklar voneinander abzugrenzen (Schmid übersetzt den englischen Originaltitel "Wisdom of Crowds" als "Masse") und dabei einem unreflektierten Individualismus das Wort zu reden. Denn da Surowiecki zugleich jegliches Gruppendenken und Konformitätsdruck ablehnt, predigt er im Grunde ein Individuum, das nicht mit anderen kommunizieren darf. Alles in allem meint Schmid, dass hier eine statistische Trivialität zu einem Buch aufgeblasen werde.
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