Aus dem Französischen von Christoph Schuler. Nach Kriegsende und dem langen Marsch durch Deutschland versucht René Tardi sein Leben neu aufzubauen. Da es für ihn in Frankreich keine beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten gibt, dient er weiterhin in der Armee. Seine Frau Zette hat ihm die Treue gehalten, doch einfach ist es für sie nicht - René ist seit seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft stets schlecht gelaunt. Am 30. August 1946 bekommt Zette ihr erstes Kind, Jacques Tardi. Am 12. Februar 1951 reist die Familie nach Deutschland, denn als Teil der in Deutschland stationierten französischen Armee ist René Tardi zuerst in Bad Ems, dann später in Fritzlar abkommandiert. Nach dem Motto "Jeder Deutsche ist eine potentielle Gefahr. Fraternisieren Sie mit niemanden!" bleiben die Franzosen unter sich. 1952 kehren die Tardis wieder nach Frankreich zurück und am 30. April 1953 verlässt René Tardi endgültig die Armee, in die er 1935 als Freiwilliger eingetreten war.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2019
Christian Gasser ist enttäuscht von Jacques Tardis zeichnerischer Darstellung der Geschichte seines Vaters als deutscher Kriegsgefangener. So farbig wie Tardi einst den Ersten Weltkrieg einfangen konnte, geht es in diesen drei Bänden laut Rezensent leider nicht zu. Das Leid der Gefangenen und Heimkehrer, wie Tardi es entlang der Aufzeichnungen des Vaters erzählt, rührt den Leser kaum, meint Gasser, wenngleich die lange totgeschwiegende Geschichte der Kriegsheimkehrer wichtig ist. Das Problem liegt für den Rezensenten in der allzu großen Nähe des Autors zu seinem Protagonisten. Über das bloß Faktische kommt Tardi nicht hinaus, stellt Gasser fest. Der Autor verzettelt sich in der protokollarischen Nennung von Namen und Daten, wo der Leser eine Verdichtung der geschilderten Erlebnisse erwartet und gebraucht hätte, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2019
Gottfried Knapp ist begeistert von Jacques Tardis dreibändigem Jahrhundertpanorama. Der jetzt auf Deutsch vorliegende dritte Band überwältigt den Rezensenten mit seinem Realitätsreichtum und seiner Sachlichkeit. Die Geschichte eines Besatzungssoldaten zwischen Deutschland und Frankreich, erzählt aus der Sicht des Sohnes, weitet sich laut Knapp über den Alltag der Besatzung hinaus zu einer Erinnerung an die Greuel des Krieges, die der Autor mit Anmerkungen zu den zeitgenössischen politischen Ereignissen verschneidet. Nicht zuletzt ist das Buch für Knapp eine "wunderbar beiläufig" daherkommende Autobiografie.
Nicht unbedingt begeistert, aber doch sehr respektvoll bespricht Rezensent Ralph Trommer diesen Band des französischen Comiczeichners Jacques Tardi, der hiermit die Trilogie über seinen Vater abschließt. Der Vater war als Soldat in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und ins Stalag IIB nach Pommern deportiert worden. Im dritten Band erzählt Tardi von der Zeit nach dem Krieg, als der Vater wieder nach Deutschland ging, diesmal als "glorreicher Soldat", wie Tardi spottet. Aber auch über die Entnazifierung der Deutschen kann Tardi nur müde lächeln, wie Trommer berichtet, der sich im Übrigen mit wertenden Attributen zurückhält.
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