Die Kriegsgefangenenlager der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg sind erst seit kurzer Zeit ein Forschungsthema der Zeitgeschichte. Trotz ihrer bedeutenden Rolle im Wirtschaftsleben des "Dritten Reiches" und obwohl viele Menschen fast täglich Kontakt mit den Insassen der Lager hatten, war ihre Existenz mit den Mannschaftsstammlagern (Stalag) und Offizierslagern (Oflag) weiten Teilen der Bevölkerung kaum bekannt. Hauptthemen der Arbeit sind die Organisation der Lager und ihrer Kriegsgefangenen, die zahlreichen Fluchtversuche und Widerstandsaktionen der Kriegsgefangenen, das Verhältnis der Kriegsgefangenen zur Bevölkerung sowie der Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2004
Reinhard Olt spricht Hubert Speckner ein großes Lob aus. Dessen Studie über die Kriegesgefangenenlager in Österreich während des Zweiten Weltkrieges ist nach Ansicht des Rezensenten beeindruckend in ihrem Materialreichtum und überzeugend in ihrer Argumentation; Organisation und Aufbau der Lager, Arbeit und Freizeit der Gefangenen, ihre nationale Herkunft, Fluchtaktivitäten und Widerstand - all das ist lückenlos dokumentiert und ausgewertet worden. Ein Ergebnis dieses detaillierten Forschungsarbeit hebt Olt besonders hervor: Speckners Buch belege nämlich, dass die russischen Gefangenen gezielt extrem schlechter behandelt wurden als beispielsweise die amerikanischen und britischen - das Volkerrecht wurde hier bewusst außer Kraft gesetzt. Einer von hundert Amerikanern starb in der Gefangenschaft, aber ungefähr jeder zweite sowjetische Insasse - zwischen 2,5 und 3,3 Millionen von insgesamt 5,7 Millionen Gefangenen. Mit anderen Worten: Die Behandlung sowjetischer Armeeangehöriger in deutschen Gefangenenlagern gehorchte den Vorgaben gezielter Vernichtungspolitik.
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