Aus dem Französischen von Klaus Jöken. Der Mittelalter-Experte Jacques Le Goff kehrt am Ende seines Lebens zu den grundlegenden Fragen seiner Zunft zurück. Warum teilen wir Geschichte überhaupt in Epochen ein? Ist die Renaissance für uns moderne Menschen tatsächlich die Geburtsstunde für das helle, leuchtende Denken, oder muss man, dank des neuen Wissens über die Errungenschaften des Mittelalters, nicht vielmehr beide Geschichtsabschnitte im Zusammenhang sehen?
Le Goff zeigt uns nicht nur die Instrumente der Epocheneinteilung, er überprüft mit ihrer Hilfe auch die verschiedenen geistigen, technischen und wirtschaftlichen Veränderungen bis zur Französischen Revolution. Damit kehren wir aber zugleich zu den Fragen zurück, was unsere eigenen Maßstäbe für historischen Fortschritt und Veränderung sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2016
Rezensent Michael Borgolte folgt Jacques LeGoffs Geschichte in Epochen mit großem Interessen, auch wenn der Platz des europäischen Mittelalters in einer Globalgeschichte, wie ihn der Autor hier anvisiert, laut Borgolte erst noch zu bestimmen wäre. LeGoffs These vom "langen Mittelalter" von der Spätantike bis ca. 1750 scheint dem Rezensenten zwar nicht neu, doch die Breite der hier mit einbezogenen Lebenswirklichkeiten (Musik, Argartechnik, Staatswesen) findet er bestechend. Kontinuität und Wandel zwischen den Epochen wird für Borgolte so sichtbar und das Mittelalter erscheint ihm als Nachbar der Moderne.
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