Jacques Le Goff

Die Geburt Europas im Mittelalter

Cover: Die Geburt Europas im Mittelalter
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406517624
Gebunden, 342 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Grete Osterwald. Wurde Europa im Mittelalter geboren? Welche Eigenarten Europas gehen auf das Mittelalter zurück? Was berechtigt dazu, von einer kulturellen Einheit Europas zu sprechen? Diesen Fragen geht Jacques Le Goff in seinem Buch nach. Er beschreibt anschaulich die Geschichte des Kontinents vom Ende des römischen Reiches bis zum 16. Jahrhundert und zeigt, wie sehr sich das mittelalterliche Europa, aber auch damalige Visionen von Europa, vom heutigen Europa unterscheiden. Le Goff beschreibt die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen der einzelnen Phasen, aber auch die Geschichte der Mentalitäten und einer im Mittelalter besonders lebhaften Vorstellungskraft. Auch in Zukunft, so das Fazit, wird das europäische Mittelalter die wichtigste Erbschaft sein, die ein geeintes Europa antreten kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2004

"Neue wissenschaftliche Ergebnisse vorzustellen liegt nicht in der Absicht" dieses Buches von Jacques LeGoff, berichtet Rezensentin Hannelore Schlaffer. Und in der These, die kulturelle Einheit Europas bestehe seit der Antike und habe das Mittelalter überdauert, bis sie dann in der Neuzeit zum Regulativ des politischen Handelns wurde, bestehe schon die ganze Provokation des Buch, die Schlaffer allerdings nicht sonderlich "aufrührerisch" findet. Die Rezensentin ist also ein wenig enttäuscht von diesem Buch eines Autors, den sie als einen Historiker kennt, der "gern Seitenwege aufsucht und sich im Unterholz der Kulturen verliert, um von dort Seltsamkeiten mitzubringen". Dass diese Stärke LeGoffs in diesem Buch nicht zum Tragen komme, erklärt Schlaffer sich damit, dass es in der Reihe "Europa bauen" erschienen ist, Grundlageninformation liefern soll und von daher schon "recht kursorisch" bleiben musste.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004

Nach der Lektüre vom Jacques Le Goffs Buch über die Anfänge eines geeinten Europas bleibt man "nachdenklich" gestimmt zurück, urteilt Johannes Fried. Der Autor zeige auf, dass wir auch heute noch meinen, "Europa zu denken und zu bauen", aber nicht wüssten, was das eigentlich bedeute. Wenngleich auch Le Goff dem Leser kein Handlungskonzept, keinen Bauplan bieten könne, so weiß er zumindest "Warnungen vor einem falschen Weg" zu begründen, lobt der Rezensent verhalten. Die Idee, statt Strukturen und politischer Verhältnisse den einzelnen Menschen immer in den Mittelpunkt des Werkes zu stellen, findet Fried gut; allerdings sei dies unbefriedigend für diejenigen Leser, die das "Stützgewebe" europäischer Entwicklung nicht kennen. Bedauernd führt der Rezensent außerdem an, dass das Judentum im Werk nicht die "Aufmerksamkeit" erhalten hat, die es "verdient".
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