Klappentext

Aus dem Französischen von Jochen Grube. Zutiefst verabscheut in Umberto Ecos "Der Name der Rose" der überstrenge Mönch Jorge de Burgos das unterhaltsame Gelächter der Menschen; nichts fürchtet er so sehr wie die Verbreitung einer verloren geglaubten Schrift des Aristoteles über das "Lachen". Eindringlich zeigt Le Goff, welche Bedeutung der mittelalterlichen Mensch dem Lachen zumaß: "Hat Jesus gelacht? Kann Gott überhaupt lachen? Verspottet der lachende Mensch denn nicht die göttliche Weltordnung?", so fragten sich besorgt Mönche und Gelehrte. Und doch: "Wenn Jesus auch Mensch war, dann war er auch ein Wesen, das lachen konnte." Anschaulich schildert Le Goff die vielfältigen Anlässe, sozialen Formen und Funktionen des Lachens in der mittelalterlichen Gesellschaft und setzt es in die größeren geschichtlichen Zusammenhänge.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2004

In den hier versammelten Aufsätzen zum Lachen im Mittelalter, lobt Hannelore Schlaffer begeistert, zeige sich Jacques LeGoff wieder einmal als "Poet der Geschichte", der der Historie die "Jemeinigkeit" der Dichtung, und der Wissenschaft das Anrührende eines Nachbarschaftsgespräch zu verleihen vermag. So gelinge es ihm zu vermitteln: "Das Lachen geht uns alle an." LeGoff zeigt so etwa, erzählt Schlaffer, wie sehr der Prozess der Zivilisation sich im Mittelalter um Verbot und Erlaubnis des Lachens drehte, aber auch wie das Lachen bei Heinrich II. von England etwa zu einem Attribut der Macht werden kann. Zum Bedauern der Rezensentin hat sich Übersetzer Jochen Gruber allerdings von der französischen Sprache "an der Nase herumführen lassen", was ihr ein wenig die Freude an der Lektüre verdorben hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2004

Eher zum Weinen war Gustav Seibt zumute, als er das Neueste aus der Feder Jacques Le Goffs über das Lachen im Mittelalter las. Erster Fehler des Autors: Er habe Aristoteles und Hellmuth Plessner - beide verorten das Lachen in der Physis - nicht richtig gelesen, nicht richtig verstanden und dann noch "falsch zitiert". Daraus resultiere kein Ernst zu nehmendes neues Werk, sondern höchstens eine "Stellensammlung", die über das Lachen oder vielmehr die Lachfeindlichkeit in der frühmittelalterlichen Mönchskultur nicht hinausgehe - ein Thema, das "nicht im Ernst als Neuigkeit zu werten" sei. Der Rezensent erbost sich besonders über die "leichtherzige Schlamperei", mit der Le Goff Buch um Buch "ausstößt", ohne Handfestes von sich zu geben. So sei auch das neueste Buch eine Anhäufung von Quellen, die sich der findige Leser "in zwei Tagen" selbst zusammen sammeln könnte. Eine Lachnummer.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2004

In einer Zeit, "in der es nicht viel zu lachen gibt", wolle er sogleich auf dieses Buch von Jacques Le Goff hinweisen, schreibt Michael Jeismann, mit dem in dieser Woche drei Aufsätze des Historikers zum Lachen im Mittelalter auf Deutsch erscheinen, die vor einigen Jahren entstanden sind. Jeismann lobt die "intime historische Kenntnis" des französischen Mediävisten Le Goff und sein "feines Gespür für das Mittelalter", die ihm eine "künstlerisch zu nennende Hellsichtigkeit verleihen" würden. Jeismanns Freude konnte darum auch der Umstand keinen Abbruch tun, dass die Übersetzung durch Jochen Grube "nicht immer ganz geglückt" sei, insofern er sich zu oft "sklavisch an die französische Rhetorik" halte, die in der exakten Übernahme ins Deutsche "unbeholfen und umständlich" wirke. Inhaltlich kritisiert Jeismann, dass bei Le Goff "nicht recht klar" werde, ob die Umkehrung des mittelalterlichen Verhältnisses zum Lachen - eingeleitet mit Franz von Assisi, nach dem Lachen und Lächeln zu Attributen von Heiligkeit und Spiritualität umgedeutet wurden - sich allein auf den Franziskanerorden bezog. Aber auch dieser Mangel konnte der Freude des Rezensenten an der Lektüre dieses Buches offenbar nichts anhaben.
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