Marc Bloch

Briefe an Henri Berr 1924-1943

Mein Buch `Die Feudalgesellschaft`
Cover: Briefe an Henri Berr 1924-1943
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2001
ISBN 9783608942750
Gebunden, 176 Seiten, 30,17 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jochen Grube. Die zweiundvierzig Briefe Marc Blochs, die bisher noch nicht herausgegeben wurden und in diesem Band versammelt sind, zeichnen die Entstehung der "Feudalgesellschaft" aus der Sicht des Herausgebers nach. Ihre beiden Bände erschienen während des "Sitzkriegs" in der berühmten Reihe "L´évolution de l´humanité" im Verlag Albin Michel, während ihr Autor als Soldat im Felde stand. Diese Briefe, die er von 1935 bis 1943 an Henri Berr, den Herausgeber der Reihe und Gründer der Revue de Synthèse, richtete, bieten ein lebhaftes Bild vom "Metier des Historikers", wie es Marc Bloch verstand. Sie zeigen, wie ein Hauptwerk der zeitgenössischen Geschichtsschreibung geboren wurde, und zwar nicht auf ein geplantes Kommando hin, sondern nach einer Reihe von Umständen, in denen auch der Zufall seine Rolle spielte. Dieser Briefwechsel wurde aus dem schriftlichen Nachlass Henri Berrs erstellt, der im Institut Mémoires de l´édition contemporaine aufbewahrt wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2001

Wenig wurde bislang von einem der bedeutendsten französischen Historiker ins Deutsche übersetzt, erklärt Urs Hafner. Anlass für ihn, zunächst einmal allgemein die Person des Autors, des französischen Mediävisten Marc Bloch vorzustellen, der zu den Ideenvätern der französischen "nouvelle histoire" gehörte, in den Widerstand ging und 1944 von der Gestapo erschossen wurde. Nun sind gleich zwei Bücher mit Texten von Marc Bloch erschienen, das eine eine Briefband, das andere ein Sammelband mit Texten aus den Jahren 1906 bis 1939.
1) Marc Bloch: "Aus der Werkstatt des Historikers"
Ursprünglich hatte Marc Bloch, der sich eher als Historiker denn als Mediävist verstand, wie Urs Hafner berichtet, einen Band mit eigenen Texten unter diesem Titel publizieren wollen. Statt eines abgeschlossenen monografischen Werks sollte die Leserschaft Einblick in das Handwerkszeug des Historikers gewinnen. Nach Hafner enthält der Band Texte aller Genres: von Lexikonartikeln über Rezensionen bis zu Vorträgen und großen berühmten Aufsätzen Blochs. Bloch erwärme sich "weniger für theoretische Höhenflüge", meint der Rezensent, sondern erweise sich vielmehr als jemand, der Interesse hat an problemorientiertem, quellenbezogenem Arbeiten. Beeindruckend findet Hafner, wie weit Bloch bereits damals über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinausschaute und Neuerscheinungen der Ethnologie, Psychologie und Soziologie zur Kenntnis nahm. Welch ein schärfzüngiger und rationalistischer Geist, schwärmt Hafner.
2) ders.: "Briefe an Henri Berr 1924 - 1943"
Wer Näheres über die Entstehungsgeschichte von Blochs Hauptwerk "Die Feudalgesellschaft" aus den Jahren 1939/40 erfahren möchte, der kann sich an dieses Buch halten, meint Urs Hafner. Ein höchst selbstbewusster Bloch präsentiere sich dem Leser, dem durchaus bewusst war, wie ungewöhnlich sein Projekt war. Amüsiert hat sich der Rezensent auch über die Passagen, in denen Bloch seinem Herausgeber überzeugend schildert, dass kein anderer seiner Zunft dazu in der Lage sei. Wie viele andere Autoren musste sich Bloch wohl auch dauernd dafür entschuldigen, dass er mit seinem Manuskript im Rückstand war. Der Adressat der Briefe Blochs war der ältere Henri Berr, Herausgeber einer prominenten Geschichtsreihe, was Hafner erklärt, warum der Ton "förmlich-respektvoller Freundlichkeit" nie durchbrochen wird und kaum Persönliches in den Briefen enthalten ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001

Die Chance, Marc Bloch, diesen, wie der Rezensent schreibt, glänzenden und unorthodoxen Vordenker einer "Neuen Geschichte", einer breiteren historischen Leserschaft zugänglich zu machen, scheint man vertan zu haben. Volker Reinhardt bedauert das sichtlich. Hagiographisch nennt er den Umgang der Herausgeber mit diesem Historiker, dessen Werk, so Reinhardt, durch eine ganzheitliche Verortung im niemals abreißenden Fluss der Forschung angemessen zu würdigen gewesen wäre. Was die im Band enthaltenen Einführungen nicht zu leisten vermögen, bewerkstelligen die Briefe Blochs an seinen Mentor nicht besser. Möglichkeiten für neue Erkenntnisse über die weltanschaulichen und professionellen Parameter Blochs sieht Reinhardt hier nicht. Stattdessen: Privates und Kollegenklatsch und "gravitätische Anmerkungen ... die Nebensächlichkeiten mit unerbittlicher Gründlichkeit zu langatmigen Exkursen bzw. Diskursen aufblähen".