Aus dem Ungarischen von Katalin Fischer. Der 14-jährige Ivan flieht im Kriegswinter 1944/45 gemeinsam mit seiner Freundin Vera vor den Deportationen im belagerten Budapest. Carl Lutz, der Schweizer Vizekonsul, ist ebenfalls auf den unter Beschuss liegenden Straßen unterwegs: Wie der weitaus bekanntere Raoul Wallenberg stellt er sich mutig den Anordnungen der Nationalsozialisten entgegen und wird zum Retter von über 60.000 Juden. Auch die beiden Jugendlichen begegnen dem Diplomaten, doch Ivan Sandor erfährt erst Jahre später, wen er damals vor sich hatte. Mit dramaturgischer Raffinesse verknüpft er seine persönlichen Erinnerungen mit der berührenden Geschichte von Carl Lutz, dessen furchtloses Handeln ihn zu einem Vorbild für Zivilcourage und Humanität werden ließ.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2010
Ein Denkmal für den Schweizer Diplomaten Carl Lutz, der Budapester Juden vor den Zugriffen der Nazis zu schützen versuchte, sieht Thomas Leuchtenmüller in diesem 2006 im Original erschienen Roman von Ivan Sandor. Allerdings ist das Buch mehr für ihn. Literarisch besticht es laut Leuchtenmüller durch seine gelungene Kombination aus Historischem, Erlebtem und Erdachtem. Nicht ganz risikolos, so ein Unternehmen, meint der Rezensent, freut sich aber umso mehr, dass unter Sandors Händen daraus ein Textfluss entsteht, der ihn fasziniert und förmlich mitreißt. Gründe dafür sind für Leuchtenmüller das ausgewogene Verhältnis von nachempfundener menschlicher Wahrnehmung und Reflexion sowie eine bei Kafka wie bei Christoph Ransmayr geschulte Sprache, die Lakonik und reportagehafte Elemente vereint.
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