Isabelle Lehn

Frühlingserwachen

Roman
Cover: Frühlingserwachen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019
ISBN 9783103973945
Gebunden, 256 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

"Ich glaube an den Verstand, den freien Willen und die Kraft der Gedanken. Ich glaube an Biochemie, Serotoninmangel und erhöhte Entzündungswerte. Ich glaube an Alkohol und Penetration, an die Sehnsucht nach Selbstaufgabe und die Würde des Scheiterns. Ich glaube an die Wirksamkeit von Psychopharmaka - und sogar daran, ein schönes Leben zu haben." Das Leben ist gut - solange wir es nicht daran messen, wie wir es uns vorgestellt haben. Isabelle Lehn schreibt über eine Frau namens Isabelle Lehn.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.04.2019

Eigentlich schreibt Isabelle Lehn über eine Manisch-Depressive jenseits der 30, die in der Psychotherapie die Auswirkungen ihrer Bemühungen, sich künstlich befruchten zu lassen, verarbeitet, fasst Rezensentin Marlen Hobrack die Handlung von "Frühlingserwachen" zusammen. Uneigentlich sei der Roman aber ein tiefgründiges Spiel mit der Autofiktion - die Erzählerin heiße ebenfalls Isabelle Lehn - und thematisiere autoreferenziell das Schreiben über den Leib. Klingt kompliziert, aber die beeindruckte Rezensentin versichert, dass Isabelle Lehn trotz des ständigen Wechsels "zwischen Erzähl- und Reflexionsebene" einen Roman geschrieben hat, der dank reduzierter und dennoch poetischer Sprache sehr angenehm zu lesen sei. Große Kunst, versichert Hobrack.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019

Isabelle Lehns zweiter Roman spielt natürlich auf Wedekinds gleichnamiges Drama an und kann ebenfalls als "Kindertragödie" bezeichnet werden, weiß Rezensentin Meike Fessmann, ohne allerdings auf weitere Analogien einzugehen. Vielmehr sieht sie die Geschichte um eine junge Ich-Erzählerin, die den Namen der Autorin trägt und von ihrer Umwelt immer wieder mit der Frage konfrontiert wird, weshalb sie keine Kinder habe, in einer Tradition mit Bekenntnisliteratur a la Knausgard und Post-MeToo-Prosa, die die Frage nach weiblicher Autonomie ganz neu stelle. Klingt anstrengend, wird aber laut Fessmann von der Autorin mit so viel Humor und Schwung erzählt, dass man ihr gern bei ihren romangewordenen Selbstreflexionen folgt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2019

Rezensentin Miryam Schellbach taucht mit Isabelle Lehns autobiografischem Roman ein in ein Dasein, das keine Erfüllung findet. Keine leichte Lektüre, warnt Schellbach. In den Selbst-Beschreibungen der Erzählerin, einer depressiven Schriftstellerin, dominieren das Profane, die Emotionslosigkeit und der Ekel, erklärt sie. Formal herrscht ein Präsens vor, das die Ereignisse für Schellbach in Monotonie taucht. Auf eine entscheidende Wendung oder Linderung wartet die Rezensentin vergebens. Ohne Hoffnung schließt sie das Buch.
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