Henning Kober

Unter diesem Einfluss

Roman
Cover: Unter diesem Einfluss
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783100402189
Gebunden, 285 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Neujahr, Berlin versinkt im Schnee, die Party geht weiter: Janus feiert mit Freunden und vermisst seinen Bruder Bobby. Der ist verschwunden und schreibt im Internet wütende Briefe. Janus macht sich auf die Suche, zwölf Monate lang ist er unterwegs: nach London, Paris, Los Angeles, nach Las Vegas und in den Himalaja. Überall trifft er auf Menschen, die die Ekstase, die echten Gefühle suchen. Auf der Peloponnes findet er seinen Bruder wieder, aber Bobby scheint merkwürdig verändert. Und die Schrecken der neuen Zeit, die Bilder der Zerstörung, reichen überall hin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.01.2010

Nach großen Erwartungen hat Rezensentin Laura Ewert dieses Buch enttäuscht wieder zugeklappt. Fast hätte sie es nicht einmal zu Ende gelesen, schreibt sie. Denn die meiste Zeit wirkt der Autor wie von seinen eigenen Ansprüchen gefesselt auf sie, wie ein müder Nachahmer von Kracht & Co. Doch als sie sich durch die angestrengten, längst abgehandelten popkulturellen Stilmittel des Romans samt seiner verwässerten Codes und unsympathischen Lebenswelten gekämpft hat, sieht sie am Horizont doch eine Art Generationenbuch aufblitzen. Denn in all dem Gerede über Marken, Drogen und Partys erkennt sie dann doch so etwas wie eine Suche nach Inhalt, eine Zerrissenheit, die nach Wahrhaftigkeit strebt, liest Heimatlosigkeit, ja Sehnsucht nach Identität heraus. Schließlich hört sie durch Henning Kobers durch die Welt reisende Hauptfigur Janus den globalisierten jungen Menschen ohne Identität sprechen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.12.2009

Etwas orientierungslos aber dennoch in den Bann gezogen wirkt Aureliana Sorrento angesichts des Debütromans von Henning Kober. Einen Handlungsfaden kann die Rezensentin nur mit Mühe ausmachen, klar wird immerhin, dass zwei Brüder von Berlin aus in hoher Geschwindigkeit und getrennt durch die Welt reisen, während der Vater einen Schlaganfall erleidet. Die Rezensentin findet in der rastlosen Bewegung der Brüder Anklänge an Bruce Chatwin und Jack Kerouac und sieht sich in einen Sprachstrom gezogen, der die Leser mit Eindrücken, Beobachtungen, Partygesprächen und Nachrichtensplittern überflutet. Trotz des melancholischen Grundtons lässt sich die Rezensentin mitreißen und glaubt hier gar den "Entwicklungsroman des gegenwärtigen Ichs" auszumachen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2009

Martin Halter muss bei der Lektüre des Debütromans von Henning Kober ständig an Christian Kracht denken, der in "Faserland" den "deutschen Poproman" begründete, in dem ein reicher "Schnösel" von Berlin Mitte in die Oberpfalz reist und seinem Weltschmerz Ausdruck verleiht. Bei Kober mäandert ein gewisser Janus in wechselnden Stimmungen durch die angesagtesten Clubs von Berlin, Bangkok, London oder Kalifornien, stets mit standesgemäßer Karosserie unterm Hintern und mit den passenden Markenklamotten am Leib, wie der Rezensent feststellt. Am Ende dieser "angestrengt verrätselten" Geschichte, in der noch ein untergetauchter Bruder eine Rolle spielt und die Dekadenz des Augenblicks sich in unheimlichen Terroranschlägen und Flugzeugabstürzen bricht, steht nicht nur die Erkenntnis des Rezensenten, dass Kracht alles das schon abgegrast hat, was Kobers Held an schicken Partyorten aufsucht. Überhaupt scheint Halter das Ganze reichlich "epigonal", auch wenn er auf der anderen Seite zugeben muss, dass der Autor einen scharfen Blick für Charaktere hat. Und am Ende kommt Halter zu dem versöhnlichen Schluss, dass aus Kober ein "richtiger Schriftsteller" werden könnte, wenn er denn dereinst sein "globales Penthaus" verlasse.
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