Isabel Hilton

Die Suche nach dem Panchen Lama

Auf den Spuren eines verschwundenen Kindes
Cover: Die Suche nach dem Panchen Lama
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406486173
Gebunden, 413 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sigrid Langhaeuser. Im Mai 1995 werden ein sechsjähriger Junge und seine Angehörigen von der chinesischen Geheimpolizei aus Tibet verschleppt. Der Junge gilt den Tibetern wie auch dem Dalai Lama als elfte Inkarnation des Panchen Lama, der zweithöchsten religiösen Persönlichkeit Tibets. Auf den beiden Lamas liegen alle politischen Hoffnungen, sie gewährleisten die Kontinuität der spirituell-religiösen Ordnung im Land. Mit seiner Entführung bleibt das Kind verschwunden. Tibet stürzt in die schwerste Krise seit seiner Besetzung durch die Volksrepublik China und droht nun endgültig seine innere Identität zu verlieren. Isabel Hilton beginnt das Schicksal des Panchen Lama zu recherchieren und gibt einen tiefen Einblick in die Geschichte Tibets und seine gegenwärtige Lage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.02.2003

Spannend, wenn auch an manchen Stellen überkomplex ist dieses Buch über den Panchen Lama - neben dem Dalai Lama der höchste Würdenträger im tibetanischen Buddhismus -, lobt Stephan Loichinger. Er hebt hervor, dass die Autorin Isabel Hilton, trotz ihres pro-tibetischen, anti-chinesischen Standpunktes auch "Auseinandersetzungen zwischen den genannten Inkarnationen" thematisiert. Die Ergebnisse ihrer Recherche seien ergiebig und auch die Hinführung der wesentlichen Leser an das Thema findet der Rezensent gelungen: Hilton "lässt die Leser ihre eigenen Schritte des Kennenlernens der fremden Kultur und die genauen Hintergründe des Konflikts mitgehen". An manchen Stellen gebe es allerdings Verwirrung, weil man als Leser in "teils verzichtbaren Seitenaspekten und kurz angetippten Biografien zu ertrinken meint" - angesichts der Komplexität der Materie ist das jedoch nicht wirklich erstaunlich, meint unser Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2002

Eine interessante Dokumentation des politischen Machtkampfes zwischen der tibetischen religiösen Führung und den chinesischen Besatzern in einem religiösen Bereich, nämlich bei der Suche nach dem neuen Panchen Lama, ist dieses spannende Buch, findet die Rezensentin Petra Kolonko. Zudem der pro-chinesische Ausgang dieses Machtkampfes wohl über die Zukunft des tibetischen Buddhismus entscheiden wird: Es ist die nämlich die Aufgabe des von den chinesischen Machthabern eingesetzten Panchen Lama, den Nachfolger für den Dalai Lama zu finden. Obwohl die Autorin und Journalistin Isabel Hilton ihren Recherche- und Dokumentationsauftrag vom Dalai Lama erhielt, hält sie eine wohltuende Distanz zu den tibetischen Interessen: weder "verfällt sie in unkritische Schwärmerei" noch in die "bloße Wiedergabe exiltibetischer Positionen", bemerkt Koloko. Sie idealisiert beispielsweise nicht die tibetischen Formen der Religionsausübung, sondern kommt in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass "der Prozess der Inkarnationssuche eine Mixtur aus religiösem Glauben, esoterischem Geheimnis und realen materiellen Interessen ist", bemerkt die beeindruckte Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Edeltraud Rattenhuber ist fasziniert und äußerst angetan von diesem Buch über die Suche nach dem Panchen Lama in Tibet und China, der nach dem Dalai Lama die "wichtigste religiöse Persönlichkeit Tibets" ist. Sie bescheinigt der britischen Autorin, dass ihr Interesse an dem Thema und der Beginn ihrer Recherchen zum richtigen Zeitpunkt kamen: nämlich kurz bevor 1995 sowohl von China wie auch von Tibet ein Panchen Lama gefunden worden war, was zu einem brisanten Machtkampf und dem Sieg des chinesischen Kandidaten geführt hatte. Die Rezensentin findet das Buch so "spannend wie einen Krimi", und hält es für ein "Standardwerk", das die Konflikte zwischen China und Tibet anschaulich beleuchte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2002

Keine "boulevardisierende Entführungsgeschichte" sei es, wenn auch gelegentlich "reißerisch", mit "legitimen Spannungseffekten", schreibt Rezensent Ludger Lütkehaus über das "engagierte" Buch, in dem er gerne noch mehr über "Streitigkeiten der Exiltibeter" oder "von der Selbstkritik einer theokratischen Tradition" gelesen hätte. Lütkehaus erläutert ausführlich die "Heilsarbeitsteilung" zwischen Dalai Lama und Panchen Lama und das Problem der Benennung eines Nachfolgers des reinkarnierten Buddhas vor dem Hintergrund der chinesischen Besatzung.