Die Große Hamburger Straße ist eine Straße in der alten Mitte Berlins. Von dieser alten Mitte ist beinahe nichts mehr erhalten, denn abgerissen, begradigt und auch mal verschoben wurden die Häuser hier immer schon, zuletzt auch zerbombt, aber jedes Mal neu wieder aufgebaut. Die Große Hamburger Straße ist eine kurze Straße. Man ist schnell hindurchgegangen, oder auch nicht. Irina Liebmann ist es geschehen, dass sie in der Großen Hamburger Straße stecken geblieben ist. "Ins Loch gefallen für viele Jahre." Warum kam sie dort nicht heraus? Das fragt sie sich selber in diesem Buch. Was ist es, das sie nicht loslässt? Ein Geheimnis, es muss ein Geheimnis sein, und so erzählt sie es auch. Denn wie wäre es, so beginnt das Buch, in die eigene Lebenszeit noch einmal zurückzukehren?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.04.2020
Rezensentin Cornelia Geißler zeigt sich berührt von Irina Liebmanns Roman. Die Autorin, die schon viel über die Geschichte der Stadt Berlin, insbesondere des Stadtteils Mitte, geschrieben hat, widmet sich hier der alten Hamburger Straße und spürt ihrer Vergangenheit nach. Dabei zeigt sich deutlich, so Geißler, wie sehr das Thema der Autorin am Herzen liege, die eben nicht nur "neugierige Flaneurin" sei, sondern sich bestens mit den Hintergründen der Judenvertreibung aus dem Viertel auskenne - nicht zuletzt durch die zahlreichen Interviews, die Liebmann für ein anderes Werk bereits in den 80er Jahren mit Mitte-Bewohnern und Zeitzeugen geführt hat, erklärt Geissler. So fließen für die Kritikerin in diesem "Lebenswerk" jahrelange Recherchen und Überlegungen aus früheren Werken zusammen; "Kreise schließen sich" und das Buch "funkelt vom Geist" der Autorin, schwärmt sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2020
Maria Frisé ist guten Willens, kann aber nicht wirklich viel anfangen mit Irina Liebmanns Spurensuche in Berlins alter Mitte. Warum das Unternehmen Roman heißt, leuchtet ihr nicht ein, denn sehr lebendig ist es nicht, findet sie, wenn Liebmann mit alten Bekannten am Stammtisch über das Schicksal der Juden, den Verbleib der Handwerker und Kneipen und allerhand Veränderungen rund um die Sophienkirche plaudert. Dass Autobiografisches auch vorkommt, ist noch kein Garant für Stimmung oder gar Spannung, meint Frisé und freut sich über jedes aus Adressbüchern und Stadtplänen gewonnene Stückchen Vergangenheit, das im Text gegenwärtig wird. Wieso alles so kam, wie es kam, kann der Band aber nicht beantworten, meint sie.
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