Wie ein Blitz trifft uns die Nachricht, wenn einer der Erfolgreichen und Berühmten das Leben plötzlich nicht mehr erträgt. Der Suizid als letzte Konsequenz quälender Depressionen beleuchtet für einen grellen Augenblick die Widersprüche zwischen glänzender Oberfl äche und innerer Verzweifl ung. Die ihr gut bekannte Welt des Leistungssports ist für Ines Geipel jedoch nur Bild und Inbegriff unserer enorm beschleunigten Erfolgsgesellschaft. Denn der Zwang zu unbegrenzter Leistungssteigerung, Flexibiliät und Selbstvermarktung macht nicht nur Sportler krank und depressiv. Letzten Endes - so bezeugen es ihre Gespräche mit führenden Psychologen und Seelenexperten - sind wir alle dem Wirbelsturm eines neuen Welttempos ausgesetzt und so in Gefahr, mit olympischer Rasanz unser inneres Gleichgewicht zu verlieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2010
Wie die ehemalige DDR-Leistungssportlerin Ines Geipel in ihrem Buch den Fall des Torwarts Robert Enke aufrollt, ganz ohne wichtigtuerisches und abgedroschenes Journalistengefasel, dafür biografisch, subjektiv, mit Milieukenntnis und Gesellschaftskritik, hat Christian Geyer schwer beeindruckt. Der Rezensent erhält Einblicke in den Kadergeist und das Dopingkartell der DDR sowie in die Therapieansätze der klinischen Psychiatrie. Entstanden ist laut Geyer ein heterogener "Depressionsreport", der dennoch nie gestückelt wirkt und der ans Herz geht, weil er die Bruchstellen im Leben Enkes und seinen selbstregulierenden Umgang mit der Depression fair und unverstellt herausarbeitet.
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