Aus dem Englischen von Sonja Schuhmacher, Barbara Steckhan und Gabriele Gockel. Seit seiner Kindheit leidet Johann Hari unter Angstzuständen, Gefühlen von Traurigkeit und unendlicher Leere. Mit achtzehn bekommt er die Diagnose: Depression. Es folgt die langjährige Behandlung mit Antidepressiva. Doch trotz Anpassung der Dosis und Phasen der Besserung hat Hari das Gefühl: Die Depression hat ihn im Griff. Er beginnt die ärztliche Strategie zu hinterfragen: Sind Depressionen zwangsläufig auf ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn zurückführen? Können Medikamente langfristig die Lösung sein? Und welche Rolle spielt die Pharmaindustrie dabei?Was er entdeckt, stellt seine Einstellung radikal auf den Kopf: Denn für unsere Interpretation von Depression gibt es keinerlei Beweise. Im Gegenteil. Nach zahlreichen Gesprächen mit Medizinern, Psychologen, Sozialwissenschaftlern und Betroffenen auf der ganzen Welt, weiß er: Die wahren Ursachen von Depression liegen ganz woanders - und wir können etwas gegen sie tun.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2019
Der hier rezensierende Frankfurter Professor für Pharmakologie Walter E. Müller rät ab von der Lektüre des Erfahrungsberichts von Johann Hari. Was der Autor, Publizist und Sozialwissenschaftler auf Basis seiner eigenen Krankengeschichte zur unipolaren Depression und ihrer Behandlung zu sagen hat, scheint Müller in Teilen nicht nur überholt und widerlegt, sondern durch den Gestus der unzweifelhaften Behauptung auch noch zusätzlich ärgerlich und irreführend. Abenteuerlich findet Müller die Idee des Autors, ein ordentliches Einkommen schütze vor Depression, ebenso seine aus eigenen Erfahrungen gewonnene Folgerung, Antidepressiva seien unwirksam. Die "einseitige" Literaturauswahl verstärkt beim Rezensenten den Eindruck eines recht windigen Werkes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2019
Ein britischer Sozialwissenschaftler, schon als Kind selbst von Depressionen betroffen, erkundet in diesem "umfangreichen, aber leicht lesbaren" Buch die wachsende Problematik depressiver Menschen und ihrer - wie er meint: eher erfolglosen - Behandlung mit Antidepressiva, informiert uns Rezensentin Nicola von Lutterotti. Antidepressiva halfen nur eine zeitlang, und durch die schleichende Erhöhung der Dosis sah der Autor zunehmend die Gefahr der Abhängigkeit, referiert die Rezensentin. Die wirklichen Gründe für Depressionen, erklärt sie, sieht Hari in der Unverbundenheit der Menschen miteinander. Allerdings findet sie seine Lösungsvorschläge für Betroffene - sinnstiftende Arbeit und Meditation - "weitaus weniger überzeugend" als die übrigen Ausführungen des Autors.
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