Ilse Weber

Wann wohl das Leid ein Ende hat

Briefe und Gedichte aus Theresienstadt
Cover: Wann wohl das Leid ein Ende hat
Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN 9783446230507
Gebunden, 347 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Ulrike Migdal. Vor dem "Osttransport" nach Auschwitz kann Willi Weber die Gedichte seiner Frau Ilse in einem Geräteschuppen einmauern - Gedichte und Lieder, die sie für ihre Mithäftlinge und ihre Pflegekinder geschrieben hat. Willi überlebt und kann die Papiere nach der Befreiung in Sicherheit bringen: die Schilderungen ihres Lebens als Jüdin in Mähren, die Briefe, in denen sie vom Terror des Nationalsozialismus erzählt, die Trostgesänge aus der Kinderkrankenstube im KZ. Das Buch macht zum ersten Mal die charismatische Figur Ilse Weber sichtbar, die bei Überlebenden von Theresienstadt und in der Literatur ein Mythos ist, von deren Werk aber bisher fast nichts bekannt war.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.05.2009

Dankbar für diese späte Veröffentlichung erzählt Christoph Bartmann die erschütternde Geschichte der in diesem Band enthaltenen Briefe und Gedichte aus Theresienstadt. Ilse Webers Korrespondenz mit Freunden und Verwandten ordnet Bartmann respektvoll ein in die Reihe der Lebenszeugnisse aus Auschwitz und Theresienstadt und in das große Archiv der Holocaust-Opfer. Die aus Mährisch-Ostrau stammende, 1944 in Auschwitz ermordete Autorin lernt er kennen "nicht unbedingt als große Dichterin", aber als beeindruckende, mutige und gebildete Frau, die sich verzweifelt um die Vereinigung von deutscher Kultur und tschechoslowakischem Patriotismus bemüht. Beklemmung empfindet der Rezensent angesichts von Webers Dokumentation der gewaltsamen Auflösung deutsch-tschechisch-jüdischen Zusammenlebens in Witkowitz und Prag. Die Briefe an den nach England emigrierten Sohn zerreißen ihm das Herz.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.12.2008

Wie Renate Wiggershaus erklärt, verdankt sich dieses Buch, das Briefe und Gedichte der erst nach Theresienstadt deportierten und später in Auschwitz ermordeten Kinderbuch- und Hörspielautorin Ilse Weber enthält, der Anregung durch den Sohn Hanus Weber und der Auffindung von zwei "erstaunlichen Quellen". Der Ehemann hatte die Gedichte, die Ilse Weber für die Kinderkrankenstube in Theresienstadt geschrieben hat, im Lager vergraben und nach dem Krieg wieder zurückgebracht. Dazu kommt der Fund von Briefen an Freundin, Mutter und Sohn auf einem Speicher, die ebenfalls in diesem Band abgedruckt sind, teilt die Rezensentin mit. Während die Briefe von der zunehmenden Bedrängnis der Juden im besetzten Böhmen Zeugnis ablegen, zeigen die Gedichte Webers Anliegen, die grausame Realität in Theresienstadt nicht zu verschweigen, sondern in "Sprache zu bannen" und Mut zu machen, konstatiert Wiggershaus berührt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2008

Berührt zeigt sich Oliver Pfohlmann von Ilse Webers Briefen und Gedichten aus Theresienstadt. Wie er berichtet, wurde Weber, die vor 1933 eine gefragte Kinderbuch- und Hörspielautorin war, 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort arbeitete sie als Kinderkrankenschwester, bis sie 1944 in Auschwitz zusammen mit ihrem Sohn vergast wurde. Pfohlmann hebt hervor, dass die Gedichte und Lieder, die Weber in Theresienstadt verfasste, für ihre Zuhörer geradezu "therapeutische Qualitäten" hatten und ihnen Lebensmut, Trost und Hoffnung spendeten, ohne das alltägliche Grauen auszusparen. Eindringlich findet Pfohlmann auch Webers Briefe an eine schwedische Freundin, die bedrückenden Veränderungen nach 1933 schildern und die zunehmende Verzweiflung der Autorin bezeugen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2008

Maria Frise zeigt sich beeindruckt von diesem Band mit Briefen und Gedichten der 1944 in Auschwitz ermordeten jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber. Zwar hätte sie sich von der Herausgeberin Ulrike Migdal eine bessere Kommentierung der Briefe gewünscht, ihre Intensität als Dokument steigender Überlebensangst jedoch, die die Rezensentin an Lilly Jahn denken lässt, ist für sie dennoch spürbar. In den Versen erkennt Frise mehr als das: Anklage gegen das Verbrechen und Trost durch die Beschwörung verlorenen Lebens. Im Anhang des Buches stößt die Rezensentin auf authentische Berichte und Zeichnungen aus Konzentrationslagern - ein Höllenszenario, dessen Erinnerung sie für wichtig hält.