Howard Jacobson

Shylock

Roman
Cover: Shylock
Albrecht Knaus Verlag, München 2016
ISBN 9783813506747
Gebunden, 288 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Der reiche Kunstsammler Simon Strulovitch aus Manchester hat Sorgen: Seine aufmüpfige Tochter Beatrice ist in die Kreise der leichtlebigen Erbin Plurabelle und ihres persönlichen Assistenten D'Anton geraten. Nicht der richtige Umgang für ein jüdisches Mädchen, klagt Strulovitch seinem Zufallsbekannten Shylock. Dieser rät zur Zurückhaltung. Doch als Beatrice sich auch noch mit dem Fußball-Beau und Unterwäsche-Modell Howsome einlässt, sieht ihr Vater rot. Er verlangt, dass der junge Mann zum Judentum konvertiert. Mit Hilfe einer kleinen Operation ließe sich heute manches arrangieren. Aber das Leben hält nicht nur für Strulovitch ein paar Lektionen bereit. Howard Jacobson fragt in diesem stellenweise irrwitzigen Roman: Was macht einen Mensch zum Juden? Und was heißt es, Jude zu sein in einer säkularen Welt? Ein höchst burlesker Umgang mit dem vermeintlichen Antisemitismus des umstrittensten Dramas von Shakespeare.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.11.2016

Hat sich Rezensent Alexander Menden zunächst skeptisch gegenüber dem Shakespeare-Projekt der Londoner Hogarth Press gezeigt, ändert sich seine Haltung nach der Lektüre der bisher erschienenen Roman-Bearbeitungen von Shakespeares Stücken. Margaret Atwood schafft es in ihrer humorvoll modernisierten Variante von "The Tempest", der verschachtelten Struktur der Vorlage einen Zweck zu geben, lesen wir, Anne Tyler meistert die Herausforderung, mit "The Taming of the Shrew" ein "hoffnungslos zeitverhaftetes" Stück virtuos in eine höchstens etwas zu märchenhafte Gegenwart zu versetzen, Jeanette Winterson hingegen hält leider scheinbar nicht viel vom Märchen, formt dafür aber die Figuren aus "Winter's Tale" zu umso plastischeren Protagonisten, was auch ihren schnörkellosen Roman zu einem "befriedigenden Leseerlebnis" macht, und Howard Jacobson kümmert sich nicht groß um die Handlung und macht aus "The Merchant of Venice" kurzerhand einen faszinierenden philosophischen Dialog-Essay über das Jüdischsein. Nach solch gelungenen Versuchen kann sich Menden nun uneingeschränkt auf nachfolgende Erscheinungen der Reihe freuen, denn gerade weil diese vier Romane sich in Stil und Herangehensweise so stark unterscheiden, beleuchten sie jeder für sich eine andere Seite von Shakespeares vielschichtigem Schaffen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.05.2016

Bei Sylvia Staude klingelt's, wenn sie Howard Jacobsons Shakespeare-Adaption des "Kaufmann des Venedig" liest. Namen und Geschichten kommen ihr so bekannt vor. Dass der Autor Shylock zu einer Art ewigem Juden macht und ihn in brillanten Dialogen mit Antonio streiten lässt, gefällt ihr. Das Verhältnis von Juden und Christen wird laut Staude deutlich, wenngleich die Gojim dem Autor mitunter zu Karikaturen geraten. Dass Jacobson das Auftauchen Shylocks im 21. Jahrhundert nicht problematisiert, hält Staude für richtig.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.04.2016

Der Sinn der nun beim Knaus Verlag anlaufenden Serie von Romanfassungen von Shakespeare-Stücken mag sich Alan Posener nicht recht erschließen. Howard Jacobson gelingt es in "Shylock" allerdings, eine interessante Resonanz zwischen Stück und Roman herzustellen, meint der Rezensent: Zum einen, weil der Autor klug genug ist, sich weniger auf Handlung als auf Dialoge zu verlassen, zum anderen, indem die Figuren bei Jacobson den "Kaufmann von Venedig" kennen und sich auf ihn beziehen. Darin kann Posener dann doch einen gewissen Mehrwert erkennen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2016

Rezensent Tobias Döring ist skeptisch, was Howard Jacobsons Roman-Bearbeitung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" angeht, scheint ihm das Original doch "längst unspielbar" zu sein. Vor allem auf den "unwahrscheinlichen" Schluss ist Döring gespannt. Dass der Autor eine Parallelfigur zu Shylock erfindet, findet Döring allerdings spannend, und die Gespräche der beiden alten Männer gehören für ihn zu den Stärken des Romans. Wie darin etwa religiöser Fanatismus verhandelt wird, gewährt Döring einen neuen, wichtigen Zugang zum alten Shakespeare, auch wenn der Rest auf ihn eher klamaukig und grell wirkt.
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