Jeanette Winterson

Der weite Raum der Zeit

Roman
Cover: Der weite Raum der Zeit
Albrecht Knaus Verlag, München 2016
ISBN 9783813506730
Gebunden, 288 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sabine Schwenk. Der Londoner Investmentbanker Leo verdächtigt seine schwangere Frau MiMi, ihn mit seinem Jugendfreund Xeno zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind gegenüber allen gegenteiligen Beweisen verstößt er MiMi und seine neugeborene Tochter Perdita. Durch einen glücklichen Zufall findet der Barpianist Shep das Baby und nimmt es mit nach Hause. Jahre später verliebt sich das Mädchen in einen jungen Mann - Xenos einzigen Sohn. Zusammen machen sie sich auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen und alte Wunden zu heilen, damit der Bann der Vergangenheit endlich gebrochen wird. Jeanette Winterson spielt souverän mit Figuren und Handlung aus Shakespeares "Das Wintermärchen" und erzählt eine moderne Geschichte über rasende Eifersucht, blinden Selbsthass und die tiefe Sehnsucht in uns, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.11.2016

Hat sich Rezensent Alexander Menden zunächst skeptisch gegenüber dem Shakespeare-Projekt der Londoner Hogarth Press gezeigt, ändert sich seine Haltung nach der Lektüre der bisher erschienenen Roman-Bearbeitungen von Shakespeares Stücken. Margaret Atwood schafft es in ihrer humorvoll modernisierten Variante von "The Tempest", der verschachtelten Struktur der Vorlage einen Zweck zu geben, lesen wir, Anne Tyler meistert die Herausforderung, mit "The Taming of the Shrew" ein "hoffnungslos zeitverhaftetes" Stück virtuos in eine höchstens etwas zu märchenhafte Gegenwart zu versetzen, Jeanette Winterson hingegen hält leider scheinbar nicht viel vom Märchen, formt dafür aber die Figuren aus "Winter's Tale" zu umso plastischeren Protagonisten, was auch ihren schnörkellosen Roman zu einem "befriedigenden Leseerlebnis" macht, und Howard Jacobson kümmert sich nicht groß um die Handlung und macht aus "The Merchant of Venice" kurzerhand einen faszinierenden philosophischen Dialog-Essay über das Jüdischsein. Nach solch gelungenen Versuchen kann sich Menden nun uneingeschränkt auf nachfolgende Erscheinungen der Reihe freuen, denn gerade weil diese vier Romane sich in Stil und Herangehensweise so stark unterscheiden, beleuchten sie jeder für sich eine andere Seite von Shakespeares vielschichtigem Schaffen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.05.2016

Jeanette Wintersons Shakespeare-Roman besticht laut Sylvia Staude durch eine Menge Einfälle. Die sind auch nötig, meint Staude, um die Handlung in die heutige Realität von Investmentbankern und Computerspieldesignern zu verlegen. Dass die Autorin die Handlung flexibel gestaltet, entgeht der Rezensentin durchaus nicht. Macht aber nichts, meint sie. Die von Winterson erdachte Vorgeschichte scheint ihr plausibel genug. Ein Roman aus eigenem Recht, findet sie, bei dem Shakespeare-Wissen dem Leser allerdings ein nicht zu verachtendes Plus einbringt. So mondern kann Shakespeare sein, staunt Staude.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.04.2016

Der Sinn der nun beim Knaus Verlag anlaufenden Serie von Romanfassungen von Shakespeare-Stücken mag sich Alan Posener nicht recht erschließen. Zum Beispiel Jeanette Winterson, die in "Der weite Raum der Zeit" versucht, das "Wintermärchen" in die Gegenwart und eine plausible Geschichte zu überführen, dabei vor allem Klischees erzeugt und letztlich "noch mehr lose Enden lässt als Shakespeare, dafür schlechter schreiben kann", wie der Rezensent feststellt. Alles in allem eher Rosamunde Pilcher als William Shakespeare, meint Posener schonungslos.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2016

Jeanette Wintersons "Wintermärchen"-Neubearbeitung funktioniert laut dem Rezensenten Tobias Döring über die Figur der ausgesetzten Tochter. Wie Döring weiß, ein persönliches Thema der Autorin, die immer wieder Familienthemen aufgreift. Die unter Verlegung der Schauplätze in die Gegenwart eng am Original entwickelte Handlung findet Döring "bisweilen" unterhaltsam und verblüffend stimmig. Doch wird er den Eindruck nicht los, dass die Autorin ihm den historischen Stoff nicht zutraut. Richtig unglücklich ist Döring mit dem absehbaren Schluss. Für ihn reiner Kitsch.
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